Auf diesem #AT16 mit dem Motto „Reaching your audience“ hat wirklich alles gestimmt: Trockenes Wetter, unterhaltsames Rahmenprogramm, gutes Tagungshotel, große Themenpalette, engagierte Vortragende, interessante Pausengespräche (Brexit!), nette Lokale und Deutschland schafft es ins Halbfinale – mehr kann man nicht verlangen!! Hier ein kurzer Überblick und ein paar Teilnehmerkommentare. Ein ausführlicher Bericht folgt im nächsten FORUM, das im Oktober erscheinen wird. Sie können sich auch die Tweets und Bilder anschauen oder sich über die Geschichte des Anglophonen Tag informieren.

Freitag – Rahmenprogramm

  • Besichtigung von Rundfunk- und Fernsehstudios des WDR: Das neue Fernsehstudio hat eine sehr leistungsstarke Klimaanlage, um der Wärmeentwicklung von etwa 100 Scheinwerfern entgegenzuwirken.
  • Führung durch den Medienhafen: Sehr abwechslungsreiche Architektur, die uns mit vielen Düsseldorfer Anekdoten und Seitenhieben gegen Köln erklärt wurde.
Beeindruckende Technik im Fernsehstudio des WDR

Beeindruckende Technik im Fernsehstudio des WDR

„Neuer Zollhof 2“ (Architekt Frank O. Gehry) mit Edelstahlfassade und 1500 unterschiedlichen Fenstern

Samstag – 6 Vorträge

  • Pitch Perfect (Brigitte Geddes)
    Auf der Suche nach der perfekten Übersetzung („le mot juste“ oder eben „pitch perfect“) bekommt man als Übersetzer bei Nachfragen oft die lapidare Antwort „Ach, übersetzen Sie es einfach wörtlich!“ Nicht sehr hilfreich, wenn eigentlich nicht nur eine Translation sondern eine Transcreation erforderlich wäre.
  • Wer profitiert von Übersetzungs- und Dolmetschnormen? (Isabel Schwagereit)
    Normen wie die ISO 17100 (Anforderungen und Empfehlungen für Übersetzungsdienstleister), die DIN 2347 (Konferenzdolmetschen) sowie die gerade in der Entwicklung befindlichen ISO 20228 (Legal interpreting) und ISO 20771 (Legal translation) bieten auch Freiberuflern Vorteile wie Haftungssicherheit, Effizienzsteigerung durch Vereinheitlichung von Verwaltungsprozessen und Verbesserung der Marktposition.
  • Jamie in German (Nick Tanner)
    Was genau unterscheidet Jamie Olivers Kochbücher eigentlich von den traditionellen Werken? Makrostruktur und Syntax sind ähnlich, aber sein Credo ist „I write like wot I talk like“ und so ist sein kumpelhafter Stil mit Cockney-Einschlägen ganz anders als die autoritären, wohl formulierten Anweisungen klassischer Rezeptbücher. Obwohl die deutsche Übersetzung erheblich weniger informell ist („tomatos they knock off dead cheap“ wird zu „Tomaten, die man spottbillig bekommt“), hat das ihrem Erfolg in Deutschland keinen Abbruch getan hat.
  • Is it appropriate to tailor the message to your audience? (Barbara Müller-Grant)
    „Selbstverständlich!“ würden die meisten Übersetzer von Marketingtexten und Literatur auf diese Frage antworten. Aber wie ist es in anderen Situationen, beispielsweise beim Gerichtsdolmetschen? Darf, soll oder muss der Dolmetscher die Terminologie und die komplexen Inhalte eines vorgetragenen wissenschaftlichen Gutachtens für den Angeklagten vereinfachen, damit der überhaupt etwas versteht? Barbara zeigt anhand von diversen Beispielen, dass hier nichts selbstverständlich ist.

    Brigitte Geddes startet die Vortragsreihe am Samstagmorgen

    Brigitte Geddes startet die Vortragsreihe am Samstagmorgen

    Barbara Müller-Grant, die ganz ohne PowerPoint-Präsentation auskam

    Barbara Müller-Grant, die ganz ohne PowerPoint-Präsentation auskam

  • Machine translation: What do the users think? (Reiner Heard)
    Für viele Übersetzer sind Google Translate u. ä. indiskutabel, aber sie werden verwendet und sie werden immer besser. Höchste Zeit also, die Vorurteile abzulegen und sich mit maschineller Übersetzung zu beschäftigen. Entweder muss man die Technik zum eigenen Vorteil nutzen oder sich gezielt Kunden in anderen Segmenten (Stichwort Transcreation) suchen.
  • World Englishes with some examples from Chinglish and Denglish (Rodney Mantle)
    Wussten Sie, dass es im Chinesischen weder Pluralformen (außer für Personen) noch Verb-Endungen gibt? Kein Wunder also, dass man in englischen Anleitungstexten von chinesischen Muttersprachlern Sätze wie „3 pump arrive yesterday“ finden kann. Ein weiteres Problem ist die wörtliche Übersetzung chinesischer Zeichen unter Beibehaltung der Reihenfolge und ohne Berücksichtigung des Kontextes: „The limit is high 3 rice“ bedeutet eigentlich „Maximum height 3 metres“, wobei das chinesische Zeichen für „rice“ das gleiche ist wie für „metre“.

Sonntag – Rahmenprogramm

  • Besichtigung des NRW-Landtags: Im Plenarsaal des Landtages von Nordrhein-Westfalen hat jeder der aktuell 237 Abgeordnet(inn)en einen eigenen Sitzplatz mit abschließbarem Tischchen, die zur Gruppierung der Fraktionen einzeln montiert werden können.
Plenarsaal des NRW-Landtags in Düsseldorf

Plenarsaal des NRW-Landtags in Düsseldorf (Foto: B. Schälte, Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen)

Reiner Heard, Vorsitzender von ATICOM, Vizepräsident der FIT und Organisator des AT 2016

Reiner Heard, Vorsitzender von ATICOM, Vizepräsident der FIT (Fédération Internationale des Traducteurs/International Federation of Translators) und Organisator des Anglophonen Tag 2016

Kommentare von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Ich habe zum ersten Mal an einem Anglophonen Tag teilgenommen und fand die lockere Atmosphäre sehr angenehm, in der man schnell mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kam. Es war eine sehr gute Gelegenheit, sich mal wieder auf Englisch zu unterhalten. (Sandra Preusker, sp-translations.de)

Der Anglophone Tag hat meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen. Die Vorträge waren spannend, gut strukturiert und mit einer Prise typisch britischem Humor gewürzt. Die Referenten waren sehr erfahren und kompetent. Insgesamt hatte die Tagung einen deutlich größeren Praxisbezug, als ich erwartet hatte. Ich kann die Veranstaltung auch aufgrund ihres hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses uneingeschränkt empfehlen. (Caterina Saccani, csstranslations.com)

Ich bin sehr erfreut, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen, die ein Zeichen für die anhaltende Beliebtheit des Anglophonen Tags sind. Noch mehr freue ich mich aber über die Anwesenheit vieler jüngerer Kolleginnen und Kollegen, die 2016 zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal dabei sind! (Reiner Heard, ATICOM, Organisator)

Nächster Anglophoner Tag

Voraussichtlich im Oktober 2017 in UK, ausrichtender Verband ist das ITI. Stay tuned!

(Text: Helke Heino; alle Fotos außer Plenarsaal: Helke Heino)