Motivation und Nutzen

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass durchdachte Terminologie für jedes Unternehmen förderlich ist und dass Aufbau und Pflege von Terminologiedatenbanken ein spezielles Know-how erfordern. Selbst ein stark technologisch geprägter Bereich wie Maschinelle Übersetzung (MÜ) kommt an Terminologie nicht vorbei: Bei den Vorbereitungen für den ATICOM Workshop zu Post-Editing und MÜ Anfang September stoße ich immer wieder auf Hinweise, wie wichtig gut strukturierte Terminologie für jede Form der MÜ ist (regelbasiert, statistisch oder neuronal), und zwar sowohl zur Erstellung und Ergänzung sogenannter MÜ-Engines für bestimmte Kunden oder Fachgebiete als auch in Form von Terminologiedatenbanken, die zusammen mit Translation Memories und MÜ zur Textübersetzung eingesetzt werden.

Terminologieextraktion, -erstellung, -aufbereitung und -verwaltung scheinen also auch in Zukunft gefragte Fähigkeiten zu sein. Da wir uns beim Dolmetschen und Übersetzen sowieso schon mit Terminologie beschäftigen, ist es naheliegend, sich tiefer in dieses Teilgebiet einzuarbeiten oder die Kenntnisse aus dem Studium aufzufrischen, um Terminologiemanagement als weitere Dienstleitung in unser Portfolio aufzunehmen. Das gilt zumindest für alle Kolleginnen und Kollegen, die Terminologiearbeit nicht als notwendiges Übel betrachten und meiden wie die Pest.

Das elcat-Konzept

Der Terminologie-Kurs elcat wurde an der TH Köln unter Federführung von Prof. Dr. Klaus-Dirk Schmitz über Jahre entwickelt, fachlich optimiert und didaktisch aufbereitet. Er bietet sich für eine berufsbegleitende Vertiefung in die Materie an: Er ist modular aufgebaut, man kann die Lerneinheiten gemäß den eigenen Bedürfnissen auswählen, online buchen und innerhalb eines halben Jahres in seinem eigenen Tempo durcharbeiten.

Ich durfte 3 der 11 Lerneinheiten testen und war insgesamt sehr angetan von dem Konzept, den Inhalten, der Aufbereitung und dem Service. Nach erfolgreichen Verhandlungen zum ATICOM-Lizenzmodell (weitere Informationen siehe Textende) bin ich jetzt sogar mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis sehr zufrieden.

Erfahrungsbericht

Die Lerneinheiten von elcat bestehen vor allem aus erklärenden Texten, Verlinkungen zum Glossar und illustrierenden Bildern sowie ganz wenigen Videos mit Anwendungsbeispielen.

Das mutet im ersten Moment recht altmodisch an (kein mündlicher Vortrag, keine bewegten Bilder), aber ich fand es nach kurzer Eingewöhnung recht angenehm, dass ich meine Aufmerksamkeit nicht zwischen Hören und Sehen teilen musste und dass die Abarbeitung nicht durch einen fortlaufenden Vortrag, sondern nur durch meine Lesegeschwindigkeit und mein Verständnis bestimmt wurde.

Optisch abgesetzte Beispiele und farblich hinterlegte Kästchen mit Definitionen oder spezielle Tipps lockern die Texte auf und lassen keine Langeweile aufkommen. Die Beispiele stammen hauptsächlich aus dem Automobilbereich und sind gut verständlich und nachvollziehbar. Die Texte bauen sich schnell auf und lassen sich auch auf dem Tablet oder sogar auf einem größeren Smartphone im Querformat recht gut lesen. Wenn man im Text auf eines der im Glossar erläuterten Wörter klickt, erscheint eine Erklärung mit Quellenangabe in einem neuen Fenster. Das Glossar ist durchsuchbar und kann auch alphabetisch sortiert als Ganzes angezeigt werden. Außerdem gibt es zu jeder Lerneinheit eine „Gedankenstütze“, in der alle wichtigen Punkte stichwortartig zusammengefasst sind.

Jede Lerneinheit endet mit einer Lernkontrolle, die anhand nicht gerade trivialer Multiple-Choice-Fragen feststellt, wie viel man vom Inhalt behalten bzw. verstanden hat. Man muss die Lernkontrolle bestehen (bis zu 3 Versuche), um mit der nächsten Lerneinheit fortfahren zu können.

Ein weiterer Vorteil dieser textorientierten Aufbereitung: Man kann sich die Inhalte der Lerneinheiten als (nicht durchsuchbare) PDF-Datei herunterladen und so auch später noch einmal etwas nachlesen.

Erkenntnisgewinn

Wie viel Neues man in den einzelnen Lerneinheiten erfährt, hängt vor allem von der persönlichen Vorbildung ab. Für mich klärte Lerneinheit 3 „Grundlagen der Terminologiearbeit“ viele diffuse Konzepte, die ich in meiner Übersetzungspraxis zwar nutze, die ich aber nicht hätte erläutern oder bewusst abrufen können. Lerneinheit 10 „Terminologieextraktion“ hat mir einen guten Überblick über die verschiedenen Herangehensweisen und Tools gegeben. Außerdem kann ich jetzt besser einschätzen, ob sich der Aufwand einer Extraktion bei einem bestimmten Text bzw. bei Paralleltexten lohnt. Von Lerneinheit 11 „Maschinelles Lektorat“ hatte ich mir etwas mehr Einblick in die praktische Umsetzung versprochen, aber immerhin gibt es eine Mini-Demo, die den Ablauf in einem Sprachprüfprogramm zeigt.

Zum empfohlenen Paket für Sprachmittler/innen gehören noch drei weitere Lerneinheiten:
5 „Terminologieverwaltung 3 – Arbeit mit Terminologiedatenbanken“
7 „Grundsätze der Benennungsbildung“
9 „Terminologierecherche“

Die Aufgaben unserer Zielgruppe werden so umrissen: Sie sind als Sprachexperten u. a. für die Übersetzung von Texten und die Festlegung von Äquivalenten für neue Benennungen zuständig. Sie sollten in erster Linie die Grundlagen der Terminologiearbeit beherrschen, die Grundsätze der Benennungsbildung kennen und Recherchestrategien entwickeln und anwenden können. Ferner sollten Sie mit Terminologiedatenbanken und Werkzeugen für das maschinelle Lektorat arbeiten können. In Einzelfällen dürften Sie auch mit Terminologieextraktionswerkzeugen arbeiten.

Weitere Infos

Unter my elcat finden Sie eine Einführung mit vier Erklärvideos und ausführliche Informationen über die empfohlenen Lerneinheiten. Für Sprachmittler/innen bietet sich das Paket ÜB (Übersetzer, Sprachendienst, Fremdsprachentraining) an, das aus 6 Lerneinheiten besteht.

Für das spezielle ATICOM-Lizenzmodell (das weit über andere Sonderkonditionen hinausgeht) nutzen Sie bitte das Formular „elcat-Lizenz ganz individuell“ ganz unten auf der elcat-Website und wählen Sie bei „Rabatt“ ATICOM e.V. Oder Sie schicken eine E-Mail an das zuständige Vorstandsmitglied und die Autorin dieses Beitrags Helke Heino.