„Strafrecht und Arbeitsrecht“ am 6. und 7. September in Düsseldorf

Interaktives Lernen und hohe Praxisnähe im zweitägigen Seminar mit David Hutchins.

In der Reihe „English Law for Legal Translators“ organisierte ATICOM am 6. und 7. September 2014 bereits das dritte Mal ein zweitägiges Seminar zum englischen Recht, bei dem nunmehr die Bereiche Strafrecht und Arbeitsrecht auf dem Programm standen.

Der Referent David Hutchins war mehr als 30 Jahre lang englischer Solicitor mit eigener Sozietät in London, der er als beratendes Mitglied noch heute angehört. Mittlerweile allerdings hält er seine Seminare zum englischen Recht, die sich ursprünglich ausschließlich an Juristen richteten, in halb Europa zwischen Finnland und Italien ab – auch für Sprachmittler.

Es ist schon etwas Besonderes, das englische Rechtssystem und vor allem die englische Rechtspraxis direkt aus erster Hand und in englischer Sprache erläutert zu bekommen. Denn nicht nur durch die Einarbeitung zahlreicher praktischer Beispielsfälle, sondern auch aus der Darstellung des englischen Rechts an sich ergeben sich viele spannende Fragen.

So ist dem Hörer zwar aus dem kontinentalen Recht vertraut, dass die Strafbarkeit einer Handlung die Erfüllung eines objektiven und eines subjektiven Tatbestands voraussetzt, was im Englischen mit den lateinischen Begriffen Actus Reus und Mens Rea ausgedrückt wird. Aber dass auch im Bereich des Strafrechts der Grundsatz des Common Law beibehalten wird, wonach sich die Rechtsfindung im konkreten Einzelfall nicht an einer vor Begehung der Tat gesetzlich definierten Beschreibung der strafbaren Handlung (eben dem Tatbestand) orientieren muss, sondern in den meisten Fällen Richterrecht den entscheidenden Stellenwert einnimmt, ist für den, der das kontinentale Prinzip „Keine Strafe ohne Gesetz“ verinnerlicht hat, nur sehr schwer nachzuvollziehen.

„Die Präsentationsform finde ich sehr gut. Nicht einfach ein Lehrer mit Charts und Studenten, die zuhören, sondern ständige Interaktion und Diskussion. Für mich ist das entspannter und erhöht dadurch den Lerneffekt“ sagt Graham Mead, ermächtigter Übersetzer und allgemein vereidigter Dolmetscher, der bereits zum dritten Mal ein Seminar von David Hutchins besuchte. „Wir hören von einem englischen Anwalt nicht nur, welche Terminologie verwendet wird, sondern auch, welche Formulierungen benutzt werden – also wie der englische Rechtsberuf von sich aus schreibt. Das hilft, unsere Texte authentischer zu machen, sie klingen dann weniger wie eine Übersetzung.“ „Die Seminarunterlagen dienen als hervorragendes Nachschlagewerk“, ergänzt Claudia Butterly, die in Köln ihre abgeschlossene juristische Ausbildung mit dem Titel einer ermächtigten Übersetzerin und allgemein beeidigten Dolmetscherin für Englisch verbindet. So fühlte sich die Gruppe von zwölf Seminarteilnehmern in den zwei Seminartagen zwar gefordert, war am Ende mit dem Lerneffekt aber hochzufrieden.

Bleibt noch zu unterstreichen, dass Lorraine Riach das Seminar hervorragend organisiert hatte. Am Abend zwischen den beiden Seminartagen bestand zudem Gelegenheit, bei einem Essen mit dem sympathischen Referenten, der die traditionelle deutsche Küche durchaus zu schätzen weiß, den fachlichen Austausch noch auszuweiten und zu vertiefen.

Christiane Splietorp

Dieser Artikel erschien im FORUM 2/2014.