BDÜ-Fachkonferenz Sprache und Recht

Fachtagung im Hannover Congress Centrum begeisterte mit 60 Vorträgen, Workshops und Podiumsdiskussionen Teilnehmer aus aller Welt 

Am Wochenende vom 14./15. Oktober trafen sich in Hannover auf Einladung des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ) knapp 450 Sprachprofis aus 16 Ländern mit einer fachlichen Spezialisierung im Bereich Recht. Ihre Arbeitsfelder erstrecken sich von Übersetzungen und Dolmetschaufträgen für Polizei, Justiz und Staatsanwaltschaft bis hin zu Sprachdienstleistungen für Auftraggeber wie die EU oder Unternehmen der freien Wirtschaft. Sie alle müssen nicht nur ihre Arbeitssprachen auf höchstem Niveau beherrschen, sondern zugleich auch die Rechtssysteme der entsprechenden Länder genau kennen.

Bereits im Eröffnungsgrußwort der niedersächsischen Justizstaatssekretärin Stefanie Otte wurde deutlich: „Gerichtsdolmetscher haben eine hochkomplexe Aufgabe. Zum einen müssen sie die Rechtssprache in Alltagssprache, also adressatengerecht, übersetzen, zum anderen von Deutsch in eine andere Sprache und zurück.“ Sie plädierte dafür, den Dolmetscherinnen und Dolmetschern ihre Arbeit durch eine verständliche, alltagstaugliche Sprache im Gerichtssaal zu erleichtern und verwies auf die bundesweite Vorreiterrolle des Niedersächsischen Justizministeriums beim Thema Leichte Sprache. „Einfache Sprache baut Barrieren ab und ermöglicht erst den uneingeschränkten Zugang zum Recht. Daher sollte das sogenannte Juristendeutsch nur in Fachgesprächen verwendet werden, nicht aber in der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern.“

So stand die „Leichte Sprache“ gerade im Zusammenhang mit Rechtstexten als ein Thema unter vielen auf dem Programm der Fachkonferenz. Sehr viel Berufspraktisches gab es auch zu Themen wie Stressmanagement in schwierigen Gesprächen bei Polizei und Gericht, zu Stolpersteinen bei der Übertragung von Schimpfwörtern oder zur Frage nach dem Urheberrecht bei Übersetzungen zu erfahren. In Sachen Berufspolitik wurde in mehreren Gesprächsrunden lebhaft diskutiert. Ziel ist es, angemessene Honorare durchzusetzen und den gut ausgebildeten Nachwuchskräften den Weg in den Beruf zu ebnen. Die zunehmende Technisierung, die in allen Berufsfeldern zu beobachten ist, spiegelte sich in dem großen Interesse an Vorträgen über fachbezogene Software und deren Anwendungsmöglichkeiten wider.

Die Branche braucht solche Konferenzen, um Entwicklungen aufzuzeigen, Forderungen an den Berufsverband und die Politik zu formulieren und die einzelnen Akteure zu einem Austausch zusammenzubringen. Wir freuen uns, dass unser Angebot so positiv angenommen und genutzt wurde. Zwei Tage lang wurde intensiv diskutiert, aber auch das gerade für Freiberufler so wichtige Networking kam nicht zu kurz“, so das Fazit von BDÜ-Präsident André Lindemann.

Medieninformation des BDÜ vom 23. Oktober 2017

FIT-ILF 2018

Ganz im Sinne dieses Fazits möchten wir gleich die nächste Veranstaltung im Bereich Justizübersetzen und -dolmetschen ankündigen:

Die FIT-Taskforce Justizübersetzen und -dolmetschen (LTI) organisiert in Zusammenarbeit mit ATICOM unter Federführung der FIT das

13. INTERNATIONAL LEGAL FORUM

Übersetzen und Dolmetschen im juristischen Bereich in der sich wandelnden Welt:
Technologie – Outsourcing – Veränderungen

und lädt alle Übersetzer/innen, Dolmetscher/innen, Lehrenden, Forschenden, Studierenden und im Rechtswesen Tätigen herzlich ein, am Forum im Gustav-Stresemann-Institut (www.gsi-bonn.de) in Bonn vom 6. bis 8. September 2018 teilzunehmen.

Die Konferenzsprachen sind Englisch, Französisch und Deutsch und die Themenpalette reicht von Normen und bewährten Praktiken über internationale Kooperationen bis Videokonferenztechnik und maschinelle Übersetzung.

Noch bis 15. Januar 2018 läuft die Einreichung von Vorträgen / Call for Presentation / Appel à Présentations.

Die Anmeldung zur Teilnahme wird ab Mitte Februar 2018 möglich sein.

Wenn Sie direkt informiert werden möchten, senden Sie eine E-Mail an unsere Geschäftsstelle. Oder gucken Sie ab und zu auf unserer Internetpräsenz unter FIT-ILF 2018 vorbei!