3. TEF in Brüssel „Focus on translation technologies“

Ursprünglich wurde das „Translating Europe Forum“ (TEF) gegründet, um die relevanten EU-Tagungen und Sitzungen zu bündeln und die wichtige Rolle der Sprachmittlung in der Europäischen Union zu unterstreichen. Das war jedoch nicht das einzige Ziel. Es galt auch, die Schwerpunkte in der Politik der Europäischen Union hervorzuheben und thematisch zu unterlegen. So war einer der Schwerpunkte der Juncker-Agenda im Jahr 2016 der digitale Binnenmarkt, und daraus folgte der Schwerpunkt des TEF 2016 „Focus on translation technologies“.

Unter diesem Motto fand am 27. und 28. Oktober 2016 das 3. „Translating Europe Forum“ in Brüssel statt, an dem etwa 600 Kollegen und Vertreter von Institutionen und Sprachdienstleistern aus aller Welt (vornehmlich Europa) teilnahmen. Hauptthemen waren maschinelle Übersetzung und neue Übersetzungstechnologien, wobei auch die Konferenz selbst ganz auf der Höhe des technischen Fortschritts war: Alle Beiträge wurden gestreamt und sind bis heute im Netz zu finden und herunterladbar (Tag 1 und Tag 2). Auch die Programm-PDF wurde inzwischen um die Streaming-Links ergänzt.

Begrüßt wurden die Teilnehmer der Tagung von Rytis Martikonis, dem Generaldirektor der Generaldirektion Übersetzen. Rytis Martikonis selbst nahm ebenfalls an Diskussionen am Runden Tisch sowie an anderen Veranstaltungen teil und ist besonders engagiert, wenn es sich um die Förderung junger Übersetzerinnen und Übersetzer handelt.

Kristalina Georgieva, Vize-Präsidentin der Europäischen Kommission, hielt die eigentliche Eröffnungsrede, in der sie die Tätigkeit der Generaldirektion Übersetzung im Alltag wie auch anlässlich dieser Tagung begrüßte und sich dafür bedankte.

Unerwartet folgte ihr Andrew Bredenkamp, Gründer und Geschäftsführer von Acrolinx. Er stand dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz lange vor und ist Mitglied vieler Vorstände. Er hielt einen leidenschaftslosen Vortrag über „Translators without borders“, die sich seiner Aussage nach in Krisengebieten engagieren. Dieser Einsatz soll von Freiberuflern selbstverständlich ohne Vergütung erfolgen. Er rief erwartungsgemäß zu Spenden und zu persönlichem Engagement auf (der Ruf ging an die Sprachmittler). Wie selbstverständlich wird erwartet, dass Dolmetschen und Übersetzen für „die gute Sache“ kostenlos für den Auftraggeber erfolgen, und wenn doch einmal Kosten für diese Dienstleistungen entstehen, werden sie stets als überhöht angesehen. Dies wird leider nicht von den anderen, für die gleiche Sache tätigen Berufen erwartet. Es soll hier nicht das Recht eines jeden Kollegen und einer jeden Kollegin abgesprochen werden, sich ehrenamtlich zu engagieren, jedoch erscheint das von Andrew Bredenkamp angegebene Volumen von 200.000 übersetzten Wörtern im Jahr (3.500 professionelle Übersetzer und 150 Sprachen) sehr hoch für gelegentliche Einsätze in etwaigen Krisengebieten. Abgesehen von der ehrenwerten Absicht, die Anwesenden auf das ernste Thema der Krisengebiete in aller Welt aufmerksam zu machen, hatte dieser Vortrag keine thematische Anbindung an das Motto des Forums.

EU bereitet den Weg für MÜ

Der Runde Tisch vereinigte Vertreter der Sprachendienste (LT-Innovate – Philippe Wacker), des Deutschen Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (DFKI – Georg Rehm, Generalsekretär von META-NET, eines Verbunds von Forschungseinrichtungen und tätig beim DFKI in Berlin), der Freiberufler (Ralf Lemster – Vize-Präsident des BDÜ), der Europäischen Kommission (Alexandra Wesołowska – verwaltet das Projekt CEF der EU) und der Forschung (Stelios Piperidis – Forscher am Athener Forschungszentrum für Sprachverarbeitung). Diskutiert wurde angeregt, dass ein einziger Binnenmarkt ohne jegliche Sprachbarrieren angestrebt wird und wie der Einsatz von maschineller Übersetzung bei Freiberuflern gefördert werden kann. Dies könne natürlich nicht von heute auf morgen geschehen, jedoch wird es mit dem Projekt CEF (Connecting Europe Facility, siehe auch das Projekt QT21) schrittweise umgesetzt. Partner in dem Projekt sind unter anderem Tilde und TAUS.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz wird CEF in einem ersten Schritt die TMs verarbeiten, die in den letzten 20 Jahren in Brüssel und Luxemburg von den für die EU tätigen Übersetzern zusammengetragen worden sind (über 2000). Sie dienen als Grundlage für ein maschinelles Übersetzungssystem, das nach dem Prinzip der statistischen Maschinenübersetzung (siehe Einschub) trainiert wird (benötigte Sprachen, Dokumentenarten usw.), um den Behörden der europäischen Länder die Kommunikation mit den Bürgern zu erleichtern. Ist der Übersetzer also nur noch da, um die Maschine zu trainieren? Es wird keinerlei Qualitätskontrolle stattfinden und es werden keine Quellen angegeben. Einige Behörden haben bereits ihre Bedenken geäußert und für ihre Arbeit Quellenschutz verlangt.

Statistische MÜ /…/ (Statistics-Based Machine Translation, SBMT)

Vor der eigentlichen Übersetzung analysiert ein Programm ein möglichst großes Textkorpus von zweisprachigen Texten (oft zum Beispiel Parlamentsprotokolle, etwa aus dem kanadischen Hansard-Corpus). Dabei werden Wörter und grammatische Formen in Ausgangs- und Zielsprache aufgrund ihrer Häufigkeit und gegenseitigen Nähe einander zugeordnet und somit ein Wörterbuch sowie Grammatikübertragungsregeln extrahiert. Auf dieser Basis werden die Texte übersetzt. Die statistische MÜ ist sehr populär, weil sie keinerlei Kenntnis der beteiligten Sprachen voraussetzt. Deshalb kann die statistische MÜ durch die Analyse realer Textbestände theoretisch auch solche Regeln erfassen, die sprachwissenschaftlich noch nicht genau erklärt sind. (Quelle: Wikipedia)

Um wirklich ausreichend „Material“ zu haben, hat die Europäische Kommission die nationalen Behörden der Mitgliedsstaaten kontaktiert. Die Korpora sind natürlich vorhanden und die Dienstleistungen von den jeweiligen Staaten bereits bezahlt worden (s. o.). Ferner möchte die EK Glossare und Terminologielisten erhalten. Diese sind ebenfalls bereits existent und von Kollegen erstellt worden.

In den ersten Jahren wird der Gebrauch dieses Systems für die Länder (und Übersetzer) kostenlos sein – um es zu füttern. In einem zweiten Schritt wird es kostenpflichtig werden. Sowohl für die Behörden der Länder als auch für Dritte, die darauf Zugriff erhalten sollen. Wer wird daran verdienen? Die Partner? Die EK? Wird es sich schließlich so verhalten, dass die Regierung Übersetzungen liefert für vom Steuerzahler bereits gezahlte Inhalte? Und diese werden erneut für diesen „Dienst“ zahlen müssen?

Wird die Europäische Kommission in einem 3. Schritt also zu einem Sprachdienstleister mutieren, der seine Dienstleistungen veräußern wird? Das wäre ein Paradigmenwechsel. Hiermit würden die Spielregeln vom Stärkeren bestimmt und im Verhältnis zu den heutigen Regeln verändert. Wie steht es hier mit dem Wettbewerbsrecht? Dies müsste sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene geklärt werden. Gar nicht erwähnt werden sollen hier die Urheberrechte und die moralischen Fragestellungen, die dadurch aufgeworfen werden. Auch die Frage, ob die Partner oder gar Übersetzer daran verdienen oder nicht, konnte in Brüssel noch nicht abschließend geklärt werden. Es sei noch kurz erwähnt, dass im Aufsichtsrat des DFKI ein Google- und ein Microsoft-Mitarbeiter sitzen. Gesellschafter des DFKI sind ebenfalls Google, Microsoft, SAP und andere Großunternehmen.

Vorbehaltlich der Rechenkapazitäten, die für neuronale Systeme benötigt werden, schreitet diese Entwicklung mit großen Schritten voran.

Neurale MÜ (Neural Machine Translation, NMT)

Die neurale MÜ basiert wie die statische MÜ auf der Analyse von zweisprachigen Texten. Diese Texte werden von einem künstlichen neuronalen Netz angelernt und dabei die Zusammenhänge zwischen Ausgangs- und Zielsprache erfasst./…/ Es kann bei der Übersetzung allerdings nicht mehr nachvollzogen werden, wie der übersetzte Text zustande kommt. NMT gilt ebenso wie SBMT als vielversprechender Ansatz, da die Qualität der Übersetzung mitunter von der Menge der Daten und der verfügbaren Rechenleistung abhängt. (Quelle: Wikipedia)

Eine der wichtigsten ungeklärten Fragen ist, ob der digitale Binnenmarkt Europas in Zukunft ohne Humanübersetzer funktionieren soll? Selbstverständlich wurde dies nicht so umfassend und tief greifend am Runden Tisch besprochen, aber einige für unsere Zunft beunruhigende Fragen bleiben ungeklärt.

Andy Walker von der Universität Roehampton titelte provokativ „How realistic is the idea that the translation profession is threatened by technology?“ (Wie realistisch ist der Gedanke, dass Technologie den Beruf des Übersetzers bedroht?). Laut seiner Forschungsergebnisse und Aussage beim Forum wird die maschinelle Übersetzung erst 2075 das Niveau des Humanübersetzers erreicht haben. Die Prozesse, die wirklich übernommen werden, sind RoutineÜbersetzungen, die keine besonderen Herausforderungen an menschliche Kollegen und Kolleginnen stellen. Dies sollte auch als Aufforderung gesehen 23 werden, sich weiter zu spezialisieren und Fertigkeiten zu entwickeln, über die eine Maschine nicht verfügt.

Von TransCert zu ACT

In einer der Nachmittagssektionen am ersten Tag des Forums hielt Professor Budin, der Begründer des TransCert-Projekts und Professor an der Universität Wien, einen Vortrag über die Ausbildung der Fachleute in der Sprachindustrie. Da das Projekt TransCert beendet ist und die Gelder verbraucht sind, sollte ein neues Projekt für die technische Umsetzung der „Zertifizierung“ beantragt werden, woran FIT Europe laut damaliger Aussage von Professor Budin als Vertreter der Übersetzer und Dolmetscher beteiligt werden sollte. Dazu kam es nicht, denn es wurde ein anderes Projekt aufgelegt, das ebenfalls eine Zertifizierung enthält, was jedoch aus gutem Grund nicht besonders in den Vordergrund gehoben wird: das ACT-Projekt – „Accessible Culture and Training“, zu Deutsch „Barrierefreie Kultur und Ausbildung“, das von 2015 bis 2018 laufen soll. Hierbei geht es, so stellte Professor Budin es in seinem Vortrag vor, um die Barrierefreiheit in Informations- und Kommunikationstechnologien sowie assistive Technologien (Vortrag ab Folie 12; Zertifizierung siehe Folie 14). Man möchte hiermit die Inklusion und Teilnahme aller Menschen im täglichen Leben, insbesondere im kulturellen Bereich, ermöglichen (siehe eAccessibility und Vereinte Nationen). Das Projekt soll Chancengleichheit unabhängig von Sprachen und Ländern, fördern. Also auch hier soll die sprachliche Komponente kein Hindernis darstellen.

In diesem Rahmen wurde das LT-Observatory Projekt vorgestellt. Es unterstreicht auch, dass Handel, Austausch und soziale Netze durch die Vielfalt der Sprachen in der EU behindert werden und dass es gilt, dieses zu beseitigen. Um diese negative Auswirkung zu verhindern, muss (die Qualität der) Maschinenübersetzung vorangetrieben und gefördert werden.

Professor Budin stellte weitere Projekte vor (MOA, CLARIN u. a.), die im weitesten Sinn auf die Digitalisierung der Sprache abzielen. Kurios ist, dass dabei der Übersetzer/die Übersetzerin an sich kaum mehr erwähnt wird. Auch beim Institut für Translationswissenschaften in Wien im BA-Studiengang, der sich nun „Transkulturelle Kommunikation“ nennt, werden kaum mehr sprachliche und übersetzerische Kompetenzen gelehrt. Dies ist allerdings auch in vielen deutschen Universitäten der Fall, und der Nachwuchsmangel hat laut Aussage von Dr. Florika Fink-Hoijer, Generaldirektorin der Generaldirektion Dolmetschen, bereits eingesetzt.

Bei all diesen vordergründigen Ansätzen wird zudem meist übersehen, dass beispielsweise mit der Forderung nach einer einzigen griechischen Sprache, wie in diesen Projekten erwünscht, die Eigenheiten des Griechischen auf Zypern verloren gehen. Sprache wird zur Weiterverarbeitung stereotypisiert. Dies gilt insbesondere für alle wenig verbreiteten Sprachen oder Sprachvarianten.

Die Ausbildung der Fachleute der Sprachenindustrie – zielt sie darauf ab, sie selbst überflüssig zu machen? Und dabei helfen die Universitäten, die die Dolmetscher und Übersetzer ausbilden? Leider reichte die Zeit auch hier nicht, um alle diese Fragestellungen zu klären.

Tools, praxisnahe Ausbildung und noch mehr MÜ

In weiteren Vorträgen wurden Terminologieverwaltungsprogramme und Werkzeuge für Institutionen vorgestellt, die große Übersetzungsvolumina in viele Sprachen zu bewältigen haben: CAT4TRAD beim Europäischen Parlament, MicroHint beim Europäischen Rat und CATE Lab bei der GDT. Wir erfuhren ebenfalls, dass IATE durch ein modernes Werkzeug ersetzt werden soll, das einfacher und effizienter zu handhaben sein wird.

Um Studenten auf ihre zukünftige Aufgaben vorzubereiten, einschließlich der Revision und des Einsatzes maschineller Übersetzung, haben sich verschiedene Universitäten zusammengetan, um die Realität, die einen Übersetzer/eine Übersetzerin erwartet, zu simulieren. Dies stellte Gys-Walt Van Egdom von der Maastricht School of Translation and Interpreting in Belgien vor. Hierzu werden gemeinsame Projekte angelegt, und es müssen entsprechende Textkorpora zur Verfügung stehen sowie die Software, um diese zu bearbeiten und die Texte zu korrigieren und den Revisoren zugänglich zu machen. Der Umgang mit Kunden und die Preisverhandlungen werden eingeübt. Übersetzungen erfolgen in vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Dieses Projekt zeigt, wie derzeit zusammengearbeitet werden kann und führt zukünftige Kolleginnen und Kollegen in die Arbeitsrealität ein. Hier wird die Stellung des Humanübersetzers in der Realität der heutigen Arbeitsumgebung gewürdigt.

Parallele Sitzungen zeigten die Fortschritte der maschinellen, neuronalen Übersetzung, sowie die erzeugten, durchaus achtenswerten Ergebnisse. Ferner wurden die für die MT notwendigen Vor- und Nachbereitungsschritte aufgeführt und erörtert. Mein Vortrag beschäftigte sich auf der Grundlage des MT-Positionspapiers der FIT mit den in Zukunft entstehenden Tätigkeitsfeldern, die wir entweder selbst ausüben oder Spezialisten überlassen können (wie Pre-Editing, Post-Editing, Transkreation, Revision).

Weitere Vortragende erklärten die Interaktion zwischen der Maschine und dem Humanübersetzer, wobei betont werden muss, dass beide voneinander lernen.

Besonders interessant waren die Erläuterungen zu den Hintergründen der Entwicklung der neuronalen Maschinenübersetzung, die sich rasant entwickelt und von uns Übersetzern nicht unterschätzt werden darf. Bereits heute werden Texte von Maschinen übersetzt und zur Korrektur an Kollegen gesandt, die die Translation Memories mit ihren Korrekturen anreichern. Im Laufe ihrer Tätigkeit, so haben die Kollegen verschiedener Fachgebiete bereits festgestellt, werden diese Übersetzungen besser und brauchbarer. Der Nachbearbeitungsaufwand wird geringer. Große Sprachdienstleister und Unternehmen mit Übersetzungsabteilung wenden diese neuronalen Systeme bereits an.

Einige Vorträge waren der Terminologiearbeit im Zeitalter der maschinellen Übersetzung gewidmet. Die Spanne reichte hier von CAT4TRAD bis IATE 2.0.

In Workshops konnte Hand an die unterschiedlichen Werkzeuge gelegt werden, die jedoch nicht alle für Freiberufler geeignet oder bezahlbar sind. Auch Prozesse wurden gezeigt, wie etwa Transkreation, die sich von Lokalisierung deutlich unterscheidet, Revision, Post-Editing u. a. (Leider sind die Workshops nicht aufgezeichnet worden.)

Zukunftsaussichten

Am Freitag tauschte sich Jost Zetzsche, Autor des Werks „A Translator’s Tool Box“, mit Rytis Martikonis über die zu erwartenden Entwicklungen im Beruf aus. Nach einer kurzen Rekapitulation von Jost Zetzsches Vita (er ist Historiker und hat sich mit der Übersetzung der Bibel ins Chinesische beschäftigt; durch die Herausforderungen beim Übersetzen ist er selbst Übersetzer geworden) kam Rytis Martikonis auf Jost Zetzsches Werkzeuge zu sprechen und die wesentlichen Veränderungen der letzten Jahre.

Jost Zetzsche betonte, dass CAT-Tools, so wie sie heute zu erwerben sind, von Übersetzern nicht ausreichend genutzt 26 und gewürdigt werden. Sie bergen bei weitem mehr Funktionen, als wir gemeinhin anwenden. Ferner wird die maschinelle Übersetzung kaum von Freiberuflern als helfendes Werkzeug wahrgenommen, vielmehr als zu bekämpfende Bedrohung. Dabei könnten maschinell übersetzte Fragmente des Texts die Arbeit der Sprachmittler beschleunigen.

Weiter erwähnte er, dass Übersetzer sich oftmals reserviert gegenüber neuen Technologien verhalten und sie erst spät zu ihrem eigenen Nutzen einsetzen. Die Hersteller der CAT-Tools, wie zum Beispiel SDL Trados oder MemoQ, warteten geradezu auf die Fragen und Forderungen der freiberuflich tätigen Übersetzer, um ihre Werkzeuge zu verbessern und Übersetzungsprozesse zu vereinfachen.

Rytis Martikonis stellte die berechtigte Frage, wer wen in diesem Prozess vorantreibt, die aber nicht eindeutig beantwortet werden konnte. Einwände kamen auch aus den Reihen der anwesenden Kollegen, die daran erinnerten, dass wir nicht Wörter übersetzen, sondern Ideen und Konzepte. Dies ist laut Jost Zetzsche jedoch kein Widerspruch und spricht auch nicht gegen den Einsatz von maschineller Übersetzung.

Es wird hieraus deutlich, dass Übersetzer in den Prozess der Entwicklung eingebunden werden sollen, dies jedoch leider nicht immer der Fall ist, da sehr wenige Kollegen wünschen, eingebunden zu werden. Kommunikation ist, wie in vielen anderen Bereichen, unabdingbar!

Bedenkt man nun, dass der Gesamtumsatz der Sprachindustrie im Jahr 2015 in der EU etwa 16,5 Milliarden Euro betragen haben soll (Studie aus dem Jahr 2009), können wir nicht umhin uns zu fragen, wohin wir steuern. Werden wir in der Zukunft so weiterarbeiten wie bisher, oder werden wir uns andere Kompetenzen aneignen müssen und vielleicht nicht mehr als Übersetzer, sondern als Post-Editoren arbeiten?

Abschließend kann gesagt werden, dass die große Vielfalt der Vorträge von den Referenten aus den Bereichen der Sprachdienstleister, der Lehre, der europäischen Institutionen, der Freiberufler und der Verbände sehr bereichernd und anregend war und das TEF somit immer wieder eine lohnenswerte Veranstaltung darstellt. In diesem Jahr wird das TEF am 6. und 7. November 2017 in Brüssel stattfinden und sich gemäß der Juncker-Agenda mit den veränderten Bedürfnissen der Märkte, mit neuen Berufen und neuen Ausbildungen beschäftigen.

Natascha Dalügge-Momme

Dieser Artikel erschien im FORUM 1/2017.

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