7. ATICOM-Workshop für Portugiesisch-Übersetzer und -Dolmetscher

am 2. und 3. Februar 2013 in Frankfurt am Main

Bei dem Treffen der Übersetzer und Dolmetscher für Portugiesisch wurden die Themen „Gesellschaftsrecht in Portugal und Brasilien“ sowie „Technische Tools für Übersetzer und Dolmetscher“ behandelt. Die Moderation und Organisation dieser Weiterbildungsveranstaltung übernahmen Frau Dr. Tinka Reichmann und Frau Susanna Lips, die diesen Workshop 2007 gemeinsam ins Leben gerufen hatten und sich besonders über den Zuwachs der Teilnehmerzahlen freuten.

Die zweitägige Veranstaltung fand in dem Raum „Zukunftswerkstatt“ im Kolpinghotel statt, in dem neben der Uförmigen Aufstellung der Tische zwei abseits stehende Tische auffielen. Auf einem war alles zu finden, was man für das leibliche Wohl benötigte, auf dem anderen fand eine kleine Fachbuchmesse statt. Ausrangierte Bücher wurden verschenkt und neue Werke vorgestellt. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, welchen Wert Bücher bzw. Fachbücher neben dem Internet in der Berufsgruppe von Übersetzern und Dolmetschern (immer noch) haben. Und nun glaube ich auch zu wissen, dass es auf den Schreibtischen meiner Kollegen und Kolleginnen nicht viel anders aussieht als bei mir.

Gesellschaftsrecht in Portugal seit 2006: Besser, schneller und zeitgemäß?

Maria de Fátima Veiga, Rechtsanwältin in Frankfurt am Main, stellte in ihrem auf Portugiesisch (europäische Variante) gehaltenen Vortrag vor, welche Gesellschaften in Portugal gegründet werden können, zum Beispiel eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Sociedade por Quotas), Aktiengesellschaft (Sociedade Anónima), Kommanditgesellschaft auf Aktien (Sociedade em Comandita por Acções), offene Handelsgesellschaft (Sociedade em Nome Colectivo) und Kommanditgesellschaft (Sociedade em Comandita).

Aufgeschlossen für Fragen und strukturiert führte uns die Referentin mit Hilfe des Wortlauts der portugiesischen und deutschen Gesetze durch das Thema Gesellschaftsrecht in Portugal, nachdem sie vorab erklärt hatte, in welchen Gesetzen das portugiesische und das deutsche Gesellschaftsrecht geregelt ist. (Während das Gesellschaftsrecht in Portugal vor allem in dem Código das Sociedades Comerciais (Gesetzbuch über die Handelsgesellschaften) und dem Código Civil (Zivilgesetzbuch) geregelt ist, findet sich das deutsche Gesellschaftsrecht vor allem im BGB und im Handelsgesetzbuch.)

Anschließend wurde das 2006 in Portugal eingeführte Gründungsverfahren für Handelsgesellschaften und Gesellschaften bürgerlichen Rechts mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften vorgestellt: sociedades unipessoais por cotas, sociedades por cotas und sociedades anónimas.

Ausgenommen ist die Gründung von „sociedades anónimas europeias“ (Europäische Aktiengesellschaften), betonte die Referentin in ihrem Vortrag. Das vorgenannte Verfahren gilt neben dem herkömmlichen Verfahren nur für die oben genannten Gesellschaftsformen und ermöglicht es den Gründungswilligen, innerhalb einer Stunde ein Unternehmen zu gründen (empresa na hora), wenn sie sich dafür an die zuständige Stelle wenden und sich für ein Unternehmen in der dafür eingerichteten Vorratsbörse entscheiden.

Zwischenzeitlich ist es auch möglich, online ein Unternehmen zu gründen. (Anmerkung: Wenn jedoch die Gründungswilligen vorhaben, ihre Einlagen durch Übertragung von Eigentum an Grundstücken zu erbringen, sind sie auf das herkömmliche Gründungsverfahren der Gesellschaften angewiesen.) In diesem Fall wird das Gründungsverfahren einschließlich der Erstellung des Gesellschaftsvertrags über das dafür eingerichtete Online-Portal abgewickelt (www.portalempresa.pt).

Brasilien: Reform aus dem Jahr 2002 und terminologische Veränderungen

Nach einer kurzen Kaffeepause wurde das Thema Gesellschaftsrecht in Brasilien vergleichend behandelt. Auch Frau Elma Ferreira Jäntges, LL.M. – Law & Languages, Bonn – hat ihren mit einer sehr anschaulichen PowerPoint- Präsentation untermalten Vortrag auf Portugiesisch (brasilianische Variante) gehalten.

Sie erläuterte die aktuelle Gesetzgebung im Gesellschaftsrecht mit den dazugehörigen geschichtlichen Bezügen und stellte die wichtigsten Registerbehörden Brasiliens und deren Zuständigkeiten vor. Hierbei betonte sie, welche terminologischen Veränderungen durch die Reform im Jahre 2002 eingeführt worden sind.

Die sogenannten „sociedades civis“ (brasilianische Gesellschaften bürgerlichen Rechts) heißen seitdem im Gesetz „sociedades não empresariais“ und die „sociedades comerciais“ (brasilianischen Handelsgesellschaften) „sociedades empresariais“.

Im weiteren Verlauf wurden dann auch die Gesellschaften, die man in Brasilien gründen kann bzw. darf, sowie deren handelnden Organe: „gerente“, „administrador“ vorgestellt. Damit waren wir wieder bei der Frage angelangt “Wer handelt, führt und vertritt die Gesellschaft nach außen?“.

Rettungsanker und Rettungsboot in Gesellschaftsverträgen

An die Vorträge schloss sich ein praktischer Teil des Workshops an, in dem es um die Übersetzung einiger Beispiele sogenannter salvatorischer Klauseln ging. Für diese praktische Textarbeit hatten die Teilnehmer Übersetzungen mitgebracht, die sie gerne besprechen wollten. Die in tabellarischer Form (Ausgangstext und Übersetzung) per Datei eingereichten Texte wurden gemeinsam besprochen, die Ergebnisse (korrigierte Texte und Terminologielisten) wird Frau Dr. Reichmann im Anschluss an den Workshop allen Teilnehmern zuschicken.

Technische Tools für Übersetzer und Dolmetscher

Der zweite Tag des Workshops begann mit einer Diskussion über nützliche Programme für den übersetzerischen Alltag. Zunächst stellte der Kollege Fabio Said (www.brasilien-uebersetzer.de) in einem ca. zweistündigen Vortrag die Software UniLex vor. Dieses Wörterbuchprogramm wird von der Herstellerfirma Acolada aus Nürnberg kostenlos zur Verfügung gestellt und ist besonders hilfreich für Übersetzer, die kein Translation-Memory-System verwenden bzw. mehrere TM-Systeme nutzen, sowie für Dolmetscher. Es handelt sich um ein Programm zur Erstellung und Pflege eigener zweisprachiger Glossare, die dann im Wörterbuchformat durchsucht werden können. Der Kollege Fabio – Mitglied im Deutschen Terminologie-Tag und seit Jahren immer auf der Suche nach praxisorientierten Terminologieverwaltungslösungen – zeigte anhand von praktischen Arbeitsabläufen, wie man bestehende Terminologielisten im Word- oder Excel-Format in das Wörterbuchprogramm importiert, neue Wörterbücher erstellt und diese exportiert (z. B. für den Dolmetscheinsatz oder für eine Veröffentlichung). Der Import von zweisprachigen Terminologielisten ist zwar unkompliziert, aber man muss bestimmte technische Regeln einhalten: z. B. die Daten in acht Excel-Spalten speichern, damit das Programm weiß, welche Daten welcher UniLex-Datenkategorie zugeordnet werden sollen. In den Unterlagen, die die Teilnehmenden von Fabio erhielten, befanden sich ein Anleitungsblatt mit Tipps zum Umgang mit UniLex sowie eine CD-ROM mit dem Programm und anderen technischen Tools zum Installieren, Terminologielisten und Unterlagen zum Workshop. UniLex findet man im Internet unter www.acolada.de/ woerterbuecher/unilex.htm.

An den Vortrag zur Terminologieverwaltung mit UniLex schloss sich eine Diskussion über andere Tools an, die bei der Recherche von Terminologien im Internet sowie bei der Suche von terminologischen Daten auf dem Rechner viel Zeit ersparen können. Zum Beispiel die kostenlose Recherche-Applikation „click.to“. Hier handelt es sich um ein kleines Programm, mit dessen Hilfe man einen Begriff im Internet suchen kann, ohne den Begriff tippen zu müssen. Wer die Übersetzung bzw. Bedeutung von einem Begriff im Internet während der Arbeit an einem Word-Dokument suchen möchte, muss im Normalfall den Webbrowser öffnen, die Seite von Google, Wikipedia, Duden oder sonstigen Online-Suchmaschinen besuchen, den Begriff tippen und auf „Suchen“ klicken. Mit click.to kann man den Begriff einfach in jedem beliebigen Bearbeitungsprogramm (auch Webbrowsern und CAT-Tools) markieren (Doppelklick) und kopieren (Strg+C) – und gleich erscheint auf dem Bildschirm eine Reihe von Symbolen, aus denen man die gewünschte Suchmaschine wählt, um eine Suchanfrage in ihr zu starten. Eine Übersicht der praktischen Funktionen von click.to findet man unter www.clicktoapp.com/de/ overview-features/add-webaction/.

Ein anderes technisches Tool, das Kollege Fabio vorgestellt hat, war die Webbrowser- Erweiterung „Add to Search Bar“ für Mozilla Firefox. Mit diesem Tool kann man die sogenannte „Suchleiste“ von Firefox (Eingabefeld oben rechts neben der Adressleiste) um fast jede frei verfügbare Online-Suchmaschine ergänzen. Normalerweise findet man dort nur Google, Yahoo und Bing, aber man kann z. B. auch IATE, PONS, Duden, Wikipedia, LEO, dejure.org, FAZ. usw. hinzufügen – sogar die Suchmaschine von ATICOM! „Add to Search Bar“ kann man unter https://addons. mozilla.org/de/firefox/ kostenlos herunterladen.

Um terminologische Daten auf dem Rechner (z. B. alte Übersetzungen, Terminologielisten und bilinguale Dateien) zu durchsuchen, kann man natürlich die kostenlose und in Windows 7 eingebaute Indizierungsfunktion nutzen. Aber diejenigen, die mehr Leistung brauchen, werden mit Archivarious 3000 – einer weiteren, im Workshop vorgestellten Software – besser zurecht kommen. Das Programm erleichtert die Suche eines Begriffs bei Tausenden von Text-Dateien in verschiedenen Formaten (nicht nur DOC und XLS, sondern auch PDF, TMX und viele mehr) enorm, ohne die jeweiligen Dateien zu öffnen. Unter www.likasoft.com/documentsearch/ kann man eine Probeversion herunterladen. Die Vollversion kostet übrigens nur wenig Geld.

Zum Schluss zeigte der Kollege Fabio ein kleines Programm, das fast wie Zauberei funktioniert. Ein häufiges Problem: Im übersetzerischen Alltag muss man oft bestimmte Texte/Textbausteine, Gruß- und Schlussformeln, Ausdrücke, Namen usw. wiederholt tippen. Die Lösung: Mit dem Programm „Texter“ kann man sich das Tippen von solchen Textteilen sparen und einfach eine Tastenkombination dafür verwen den. So speichert man im Programm die Tastenkombination „mfg + Eingabetaste“ und beim Drücken dieser Tasten erscheint in jedem Windows-Programm (nicht nur MS-Word, sondern auch Translation-Memory-Systeme, Outlook usw.) die Schlussformel „Mit freundlichen Grüßen“ und der eigene Name, so dass man sich das Tippen von ca. 40 Zeichen gespart hat. Oder man verwendet eine Tastenkombination für bestimmte Formulierungen, die bei Vertragsübersetzungen immer wieder vorkommen. Der Kollege Fabio zeigte, wie man mit „Texter“ einen Kostenvoranschlag in Sekundenschnelle „tippen“ kann! Das Programm kann unter http://lifehacker.com/238306/lifehacker-code-texter-windows kostenlos heruntergeladen werden.

Der Kollege bot den Teilnehmern abschließend an, ihn während seiner Geschäftszeiten anzurufen, um weitere Fragen zu klären. Sein Angebot kommt gerade recht, denn wie eine Kollegin im Anschluss an den Vortrag sagte, bei der Anwendung zu Hause kommen erst die Nachfragen.

Zusammenfassung und Ausblicke

Ich habe zum ersten Mal an dem Workshop teilgenommen und bin mir sicher, dies wiederholen zu wollen, da ich nicht nur sehr nette Kollegen und Kolleginnen bei der Veranstaltung kennen gelernt habe, sondern auch den Austausch mit denen, die nicht wie ich in Deutschland arbeiten, sondern in Portugal und Brasilien, als äußerst lehrreich empfand. Bedeutsam war für mich auch der Kontakt mit den Kollegen und Kolleginnen, die in einem anderen Bundesland arbeiten, denn Föderalismus bestimmt den Alltag des Urkundenübersetzers und Gerichtsdolmetschers und macht bekanntlich nicht vor der Gerichtstür halt, auch wenn die Strafprozessordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz zum Beispiel Bundesgesetze sind.

Das Thema des nächsten Workshops für Portugiesisch-Übersetzer, der am 18./19.01.2014 erneut im Kolpinghaus Frankfurt stattfinden wird, ist das Arbeitsrecht in Portugal und Brasilien. Unsere Moderatorinnen Frau Dr. Tinka Reichmann und Frau Susanna Lips planen in Zusammenarbeit mit einer Kollegin aus Portugal dort auch eine Sonderveranstaltung evtl. noch für den Herbst 2013.

Dieser Artikel erschien im FORUM 1/2013.

Teresa Antunes de Oliveira Kriese