Ohne „Ähms“ und „Ähs“






Anmerkungen zum ATICOM-Webinar „Interkulturelle Kommunikation II: Tanz zwischen den Kulturen“

Am 14. Juli 2016 nahm ich als Zuhörerin am zweiten Teil der von ATICOM organisierten Reihe über das Thema „Interkulturelle Kommunikation“ mit der Referentin Ingeborg Lindhoud teil. Hierzu einige Anmerkungen.

Sachkundige Referentin

Ingeborg Lindhoud ist Kollegin mit eigenem Übersetzungsbüro und übersetzt aus dem Deutschen in ihre Muttersprache Niederländisch. Daneben ist sie als interkulturelle Trainerin tätig. An der Universität Jena hat sie mit Erfolg die Ausbildung zur „interkulturellen Trainerin“ absolviert. Im Rahmen von ATICOM, des BDÜ und jetzt auch unter dem Dach des niederländischen Anbieters „Teamwork“ bietet sie speziell auf Übersetzer zugeschnittene Seminare, Workshops und Webinare an.

Komplexes Thema

„Interkulturelle Kommunikation“ als wichtiges Thema in einer zunehmend verflochtenen Welt hat einen Markt erobert. Es scheint allerdings, als begnüge man sich bei den zahlreichen Angeboten mit praktischen Tipps zur Vermeidung peinlicher Situationen und dem gegenseitigen Erzählen von Anekdoten. Nicht selten tritt Triviales an die Stelle eines substanziellen Inhalts.

Das hier besprochene ATICOM-Webinar wird den ernsthaft Interessierten jedoch zufriedenstellen.

Wissenschaftlich unterbaut und wohltuend souverän stellt Ingeborg Lindhoud das komplexe Thema dar. Sie behandelt verschiedene Modelle und Theorien und bespricht Kernbegriffe der Kulturanalyse in seriöser, sachlicher und fundierter Weise. Das Problem der Wahrnehmung und des kulturellen Bewusstseins wird erläutert. Der Zuhörer erfasst die theoretischen Grundlagen, sieht sich aber auch sofort vor die Aufgabe gestellt, die eigene Arbeit anhand der geschilderten Aspekte zu hinterfragen. Besonders lehrreich ist, dass die Referentin auch die Grenzen der jeweiligen Theorien anzeigt, die etwa durch die Zeit ihrer Entstehung oder eine veränderte Perspektive herrühren können. Damit schafft sie Distanz und tritt zusammen mit dem Zuhörer einen Schritt zurück, um das Gelernte kritisch zu betrachten.

Der Vortrag wird unterbrochen durch Beispiele und kleinere, den Zuhörer einbindende Übungen. Als sehr positiv ist anzumerken, dass die Referentin dabei nicht in Banalitäten abgleitet. Auch Unterhaltsames wird immer auf die wissenschaftlichen Grundlagen bezogen.

Trotz des komplexen Inhalts und der nüchternen Darstellung wirkt das Webinar weder trocken noch akademisch überfrachtet. Der Konzentrationsbogen bleibt von der ersten bis zur letzten Minute gespannt.

Stimme, Sprechweise, Tempo: ausgezeichnet

Ingeborg Lindhoud spricht mit angenehmer Stimme und referiert flüssig in ganzen Sätzen, ohne dass ihr Vortrag künstlich oder abgelesen wirkt. Dies mag man als selbstverständlich voraussetzen. Die Form des Webinars aber erfordert hier eine ganz besondere Sorgfalt. Denn der Zuhörer nimmt viele „Ähms“ und „Ähs“, abgehacktes Sprechen, sinnwidrige modische Betonungen und achtlos hingeworfene Füllwörter deutlich wahr. Solche Präsentationsschwächen können ausgesprochen störend wirken und vom Inhalt ablenken.

Die Referentin hat sich offensichtlich zugunsten ihrer Zuhörer bewusst mit der Sprechweise beschäftigt. Sie spricht ein sehr gut artikuliertes Deutsch in einem ruhigen, zuhörerfreundlichen Sprechtempo und kommt mit großer Selbstverständlichkeit ohne Füllwörter oder überflüssige Partikel aus.

Autorin: Miriam Deblon

Hinweis: Das nächste ATICOM-Webinar zum Thema „Interkulturelle Kommunikation“ ist für Anfang 2017 geplant.