Beauftragung durch Tochterfirma in NRW – Rechnungslegung an Muttergesellschaft auf den Kaimaninseln

Eine Kollegin meldete sich mit folgendem Problem, das von generellem Interesse sein dürfte:

Ich habe einen Auftrag von einer Firma aus dem Finanzbereich zur Übersetzung von Texten bekommen. Für mich war es, laut der bisherigen Korrespondenz, eine Firma mit Sitz in NRW. Nachdem ich den Auftrag ausgeführt und die Rechnung an die Firma mit deren deutscher Adresse ausgestellt und natürlich darin auch die MwSt. berechnet hatte, kam nun eine Mail der Firma, ich solle bitte die Rechnung abändern und als Empfänger die Muttergesellschaft der Firma mit Sitz auf den Kaimaninseln ausstellen, natürlich dann aber ohne Mehrwertsteuer.

Bis zur Auftragsausführung war mir nur die Firma in Deutschland bekannt, sie hat mich beauftragt und auch mein vorhergehendes Angebot akzeptiert. Von der kaimanischen Muttergesellschaft war nirgends die Rede.

Ist das so korrekt? Kann ich die Rechnung ohne MwSt. ausstellen und ggf. kann/soll/ muss ich dann den Zusatz anführen „Reverse Charge“?

Antwort des ATICOM-Steuerberaters, Herrn Dipl.-Kfm. Peter John:

Die beschriebene Vorgehensweise ist häufig bei größeren Unternehmensgruppen anzutreffen.

Natürlich kann die Muttergesellschaft auf den Kaimaninseln grundsätzlich einen Übersetzungsauftrag erteilen, der ihrer Tochtergesellschaft in Deutschland zugute kommt.

In diesem Fall ist eine Rechnung ohne USt. zu stellen, da der Umsatz in Deutschland nicht steuerbar ist. Ort der Leistungserbringung sind die Kaimaninseln, es liegt kein Reverse-Charge-Fall vor! Entscheidend ist hierbei aber, dass der Auftrag nachweislich von der Muttergesellschaft erteilt wurde. Darüber hinaus muss seitens der Muttergesellschaft über eine entsprechende Steuer-ID die Unternehmereigenschaft im Ausland nachgewiesen werden.

Wenn, wie im vorliegenden Fall, die Vertragsanbahnung und Abwicklung nur über die deutsche Tochtergesellschaft gelaufen ist und im Nachhinein ein anderer Rechnungsempfänger benannt wird, ist das unzulässig und birgt für den Leistungserbringer die Gefahr, im Fall einer Steuerprüfung die 19% USt aus eigener Tasche nachzahlen zu müssen.

Eine Änderung der Rechnung darf also nur erfolgen, wenn die beiden oben genannten Bedingungen erfüllt sind!

Dieser Artikel erschien im FORUM 1/2016.