Bericht vom 20. Ordentlichen Kongress (Statutory Congress) der FIT vom 2. und 3. August 2014 in Berlin

Die FIT ist ein weltweiter Zusammenschluss von Berufsverbänden der Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen. Über 100 Berufsverbände aus 55 Ländern mit über 80.000 Mitgliedern sind in ihr organisiert. Das Ziel der FIT ist es, die Professionalität des Berufsstandes weltweit voran zu bringen und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Satzung des Verbandes sieht alle drei Jahre einen Kongress vor, bei dem sich die Vertreter der in ihr zusammengeschlossenen Berufsverbände mit Fragen der Organisation und Verwaltung der FIT befassen, auf dem aber auch Auszeichnungen für herausragende Leistungen von Kollegen vergeben werden und natürlich die Chance auf den Austausch auf persönlicher Ebene besteht. Außerdem werden die Mitglieder des FIT-Rates, des obersten Leitungsgremiums der FIT, neu gewählt. Dieser Kongress fand nun zum 20. Mal statt und wurde auf Einladung des BDÜ in Berlin abgehalten. Ihm folgte direkt anschließend der offene Kongress, an dem interessierte Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen aus aller Welt teilnahmen und der den würdigen Rahmen bot, das 60-jährige Bestehen der FIT zu feiern. ATICOM war durch Reiner Heard, Vorsitzender, Dragoslava Grandincĕvić-Savić, 2. Vorsitzende und Isabel Schwagereit, Mitglied im FIT Standards Committee, vertreten.

Zunächst waren die in einer Organisation üblichen Fragen der Verwaltung und des Budgets zu besprechen. Dann ging es um die Aufnahme von neuen Mitgliedern, über die die Delegierten abzustimmen hatten. Dieser Punkt war sehr interessant, bot er doch Einblicke in die weite Welt und die manchmal schwierigen Voraussetzungen, unter denen sich Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen zusammenfinden müssen, um einen Verband zu gründen. Beantragte ein Verband, der eine Ausgründung aus einem größeren Verband war, die Mitgliedschaft, oder handelte es sich um einen Verband aus einem sprachlich und kulturell gespaltenen Land, „menschelte“ es zum Teil sehr. Dennoch konnte die FIT neun neue Mitgliedsverbände begrüßen, einer davon ist die ALTI (Association luxembourgeoise des traducteurs et interprètes) aus Luxemburg, wo es bis 2011 gar keinen Verband gab. Leider waren auch Mitglieder auszuschließen, weil sie ihre Mitgliedsbeiträge nicht gezahlt hatten.

Zu beschließen war ebenfalls über eine Änderung der FIT-Statuten, die an die veränderten Anforderungen der modernen Zeiten angepasst werden mussten, sowie eine Strukturreform, um flexibler auf anstehende Herausforderungen reagieren zu können. Dazu wurde ein System von ständigen und Ad-hoc-Ausschüssen eingeführt. Intensive Diskussionen gab es rund um die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, die für die Durchführung von wichtigen FIT-Projekten notwendig wurde.

Außerdem wurde eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit zwischen der CIUTI (Conférence Internationale Permanante des Instituts Universitaires des Traducteurs et Interprètes) sowie der EULITA (European Legal Interpreters and Translators Association) unterzeichnet.

Nach der Beratung und den Beschlüssen zu diesen eher trockenen Themen wurden die Preisträger der FIT-Preise geehrt. Diese werden in den Kategorien Übersetzung von Kinderliteratur, Übersetzung von Belletristik sowie Fachliteratur, Übersetzungen aus einer kleinen Sprache, das beste Fachmagazin eines Berufsverbandes, die beste Website eines Berufsverbandes, herausragende Leistungen bei der Übersetzung von wissenschaftlich-technischen Texten und herausragende Leistungen als Dolmetscher vergeben. Kandidaten können mit Begründung der Mitgliedsverbände vorgeschlagen werden, ein Ausschuss hat darüber zu befinden. Auch während des 20. Kongresses wurden wieder Preisträger aus fast allen Erdteilen geehrt.

Der Höhepunkt des Kongresses war jedoch die alle drei Jahre durchzuführende Wahl zum FIT-Rat, dem obersten Gremium der FIT. Von 20 Kandidaten, die zur Wahl standen, wurden 14 in den Rat gewählt und zwei durch den neuen Rat kooptiert, um eine geographisch vernünftige Repräsentanz möglichst aller Erdteile zu erreichen. ATICOM freut sich, dass Reiner Heard nicht nur mit der höchsten Stimmenanzahl in den Rat gewählt wurde, sondern neben dem neuen Präsidenten der FIT, Dr. Henry Liu aus Neuseeland, zum 1. Vizepräsidenten gewählt wurde. Für unseren Verband heißt das, dass wir durch Reiner Heard direkt mit der Spitze des Weltverbandes der Übersetzer und Dolmetscher vernetzt sind.

Mitglieder des neuen FIT-Rats

  • Sandra Bertolini (Italien)
  • Reina de Bettendorf (Panama)
  • Sabine Colombe (Frankreich)
  • Eleanor Cornelius (Südafrika)
  • Olga Egorova (Russland)
  • Robert Ensor (Niederlande)
  • Reiner Heard (Deutschland)
  • Izmail Jabrailow (Aserbaidschan)
  • Henry Lui (Neuseeland)
  • Eva Malkki (Finnland)
  • Silvana Marchetti (Kuba)
  • Alan K. Melby (USA)
  • Maria Mousafiri (Griechenland)
  • Terence Oliver (UK)
  • Kevin Quirk (Norwegen)
  • Allison Rodriguez (Australien)

Nun dürfen wir gespannt sein, in welchen Bereichen der neue FIT-Rat seine Schwerpunkte setzen wird. Das nächste Treffen der FIT-Familie wird 2017 in ‚Down Under‘ in Brisbane stattfinden. Dem 21. FIT-Kongress folgt ebenfalls wieder ein offener Kongress für alle Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen. Die Präsentation der australischen Kollegin war so ansprechend, dass sicherlich der eine oder andere Delegierte bereits Reisepläne schmiedet.

Isabel Schwagereit

Dieser Artikel erschien im FORUM 2/2014.