Kurz vor dem Ruhestand?

Die FIT (Fédération Internationale des Traducteurs) entstand im Dezember 1953 als ein Zusammenschluss von sechs Verbänden bzw. Institutionen aus Frankreich, Deutschland, Italien, Norwegen, der Türkei und Dänemark. Seitdem ist diese Organisation ständig gewachsen. Heute vereint sie über 100 Berufsverbände mit mehr als 80.000 Mitgliedern in ca. 55 Ländern.

Diese große Gemeinschaft der Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen kann also jetzt ihren 60. Geburtstag feiern. Die Feierlichkeiten begannen beim FIT Asian Translators Forum Ende August in Malaysia und enden beim nächstjährigen Weltkongress im August in Berlin.

Im Laufe der Jahre hat die FIT viel erreicht. Dazu gehört die Ausarbeitung solcher grundlegenden Dokumente wie der Translator’s Charter (1963/1994), der Nairobi-Empfehlung (1976) sowie des Leitfadens für Übersetzer und Dolmetscher in Konfliktgebieten (Conflict Zone Guide, 2012). Die FIT ermöglicht einen vielfältigen Ideen- und Erfahrungsaustausch, pflegt Beziehungen zu anderen Organisationen und wirkt bei diversen internationalen Projekten mit. Davon profitieren die verschiedenen Mitgliedsverbände und dadurch deren einzelne Mitglieder.

Die FIT hat zweifelsohne viel zustande gebracht, aber man kann sich bekanntlich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die beachtliche Größe, die man erreicht hat, ist kein Selbstzweck, sondern muss in eine entsprechend starke Interessenvertretung münden.

Was bringt die Zukunft?

Das 60jährige Jubiläum bietet eine Gelegenheit der Rückbesinnung, sollte aber auch Anlass dafür sein, nach vorne zu schauen. Wie soll sich die FIT weiterentwickeln?

Wie bereits berichtet, hat die FIT einen Ausschuss eingesetzt, der sich mit Umstrukturierungsfragen und der Neufassung der Satzung befasst (Organisational Development Committee – OrgDevCom). Die Ergebnisse der ersten Umfrage unter den Mitgliedsverbänden liegen jetzt vor. Obwohl die große Vielfalt der Meinungen offensichtlich wurde, zeichnen sich bereits gewisse Trends bzw. Zielsetzungen ab:

  • Die Satzung muss klarstellen, dass die FIT nicht nur für Übersetzer, sondern auch für Dolmetscher und Terminologen da ist.
  • Eine Straffung und erhöhte Effizienz der Strukturen sind anzustreben (z. B. mehr zielgerichtete Arbeitsgruppen anstelle von Ausschüssen mit weitem Aufgabenbereich).
  • Zeitgemäße technische Möglichkeiten sollten vermehrt eingesetzt werden (z. B. bei Wahlen und Abstimmungen).
  • Die Regionalzentren, z. B. FIT Europe, müssen stärker gefördert werden, auch finanziell.
  • Die Aufnahme von Übersetzungsunternehmen bzw. von deren Verbänden als assoziierte FIT-Mitglieder wird abgelehnt.
  • Die jetzige Form der Finanzierung, hauptsächlich auf der Grundlage von Mitgliedsbeiträgen, soll beibehalten werden.

Außerdem ist eine stärkere Fokussierung der FIT-Aktivitäten sicherlich wünschenswert (hier sind 3 bis 5 Kernbereiche angedacht), da die menschlichen und finanziellen Ressourcen leider recht begrenzt sind.

Neue Lebensphase

Es ist geplant, dass der genannte FIT-Umstrukturierungsauschuss nächstes Jahr Vorschläge vorlegt, die auf dem sogenannten Statuarischen Kongress unmittelbar vor dem Weltkongress in Berlin verabschiedet werden können. Zweifelsohne müssen die angedachten Maßnahmen die FIT in die Lage versetzen, in eine neue, aktive Lebensphase einzutreten und sich dynamisch weiterzuentwickeln, damit sie zuallererst zu einer effektiven Interessenvertretung wird.

Reiner Heard, Vorsitzender OrgDevCom

Dieser Artikel erschien im FORUM 2/2013.