Neue und alte Projekte von FIT Europe






Engagement im Großen wie im Kleinen

Immer wieder wird man als Vorsitzende von FIT Europe gefragt, was der Dachverband der Dolmetscher- und Übersetzerverbände für die einzelne Kollegin und den einzelnen Kollegen bewirken kann. Wozu dient FIT Europe und warum sollte man sich engagieren?

ATICOM hat sich immer wieder für FIT Europe und seine Ziele eingesetzt, denn FIT Europe arbeitet ähnlich wie ein Verband auf nationaler Ebene. FIT Europe vertritt die Interessen der Verbände gegenüber, in unserem Fall, europäischen Gremien (Generaldirektion Übersetzen, Generaldirektion Justiz, UNO, NATO, etc…). Wann immer Gesetzesvorlagen oder europäische Richtlinien in europäisches Recht umgesetzt werden sollen, wirkt FIT Europe (und global auch FIT Mundus) im Sinne der Dolmetscher und Übersetzer.

FIT Europa hat in der Vergangenheit eine allgemeingültige Berufs- und Ehrenordnung für alle Mitgliedsverbände und dadurch auch für alle Kollegen verfasst. Darüber hinaus sind die Mahnverfahren der europäischen Länder auf der Internetpräsenz der FIT zu finden. Auch sie waren ursprünglich ein Projekt der FIT und dienen nun allen Sprachmittlern und –mittlerinnen.

Ferner sind die Aufnahmekriterien der unterschiedlichen Mitgliedsverbände aufgelistet worden (Projekt noch nicht beendet), um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Durch dieses Projekt wird deutlich, in welchen Ländern sich die Dolmetscher- und Übersetzerverbände als „Kammer“ verstehen und in welchen als gewerkschaftlich organisierte Vereinigung, was sich unmittelbar auf die Einstellung der Kolleginnen und Kollegen in den jeweiligen Ländern auswirkt.

Derzeit werden Projekte für Dolmetscher/Dolmetscherinnen und Literaturübersetzer/Literaturübersetzerinnen bearbeitet. Für Dolmetscherverbände (oder Verbände, die in ihren Reihen Dolmetscher haben), soll eine Möglichkeit geschaffen werden, sich über Arbeitsbedingungen und andere berufstypische Probleme, Herausforderungen und Lösungen auszutauschen. Dabei muss betont werden, dass FIT Europe hier keineswegs der AIIC oder anderen Verbänden Konkurrenz machen möchte.

Die Literaturübersetzer und –übersetzerinnen wiederum haben mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen: Wo gibt es eine Möglichkeit der Finanzierung während des Übersetzungsprozesses eines umfangreichen Werks (der Übersetzer von David Foster Wallaces Werk „The infinite jest“, Ulrich Blumenbach, benötigte für die Übertragung seines Buches immerhin neun Jahre)? Wo kann man in Ruhe arbeiten, welche Übersetzerpreise, -darlehen oder Fördermöglichkeiten gibt es in Europa? Diese und weitere Fragen versucht FIT Europe mit Hilfe dieses Projekts zu beantworten und den Kolleginnen und Kollegen zu helfen. Hier sei der deutsche Literaturübersetzerverband lobend erwähnt, da er vieles davon auf seiner Internetpräsenz (nur auf Deutsch) bereits beantwortet hat (www.literaturuebersetzer.de).

In diesem Zusammenhang kämpft FIT Europe an der Seite der europäischen Gremien für den Schutz der Rechte des geistigen Eigentums, also auch für die Rechte der Übersetzerinnen und Übersetzer literarischer Werke (http://ec.europa.eu/dgs/translation/publications/studies/summary_intellectual_property_rights_fr.pdf oder http://ec.europa.eu/dgs/translation/publications/studies/summary_intellectual_property_rights_de.pdf).

FIT Europe engagiert sich auch bei Projekten anderer, insbesondere bei Projekten der Generaldirektion Übersetzen oder der EU, die entweder die Aus-, Fort-, Weiterbildung der Dolmetscher/-innen und Übersetzer/-innen in Europa festlegen oder neu definieren wollen. So werden derzeit Berufsklassifizierungen vorgenommen. Damit sich Sprachmittler/-innen auch in Zukunft in der richtigen Kategorie (mit einer entsprechenden Bezahlung) wiederfinden, beteiligt sich FIT Europe am Projekt ESCO.

Des Weiteren wirkt FIT Europe am Projekt MIME (Mobility and Inclusion in Multilingual Europe) mit.

Die Mehrsprachigkeit innerhalb der europäischen Gemeinschaft steht seit einiger Zeit leider nicht mehr auf der Prioritätenliste der EU. Auch hier versucht FIT Europe (mit persönlichen Gesprächen, aber auch Artikeln) zu intervenieren. Mehrsprachigkeit muss, nach Ansicht von FIT Europe und FIT Mundus, erhalten bleiben, denn es ist unter anderem ein Garant für kulturelle Identität.

Nach der Resolution von FIT Mundus im letzten Jahr beim FIT Weltkongress in Berlin zugunsten der Dolmetscher/-innen und Übersetzer/-innen in Krisengebieten, tritt FIT Europe auch für humanitäre Werte ein. So verfasste FIT Europe ein Musterschreiben für die Mitgliedsverbände, das auf die Problematik der zurückbleibenden afghanischen Dolmetscher/-innen und Übersetzer/-innen hinweist und das sie ihrem zuständigen Innen- oder Verteidigungsministerium senden konnten. Dies führte unter anderem dazu, dass sich sogar das griechische Parlament mit den Kolleginnen und Kollegen befasste – bis andere Dinge dies von der Tagesordnung verdrängten.

FIT Europe hat einen offenen Brief verfasst bezüglich neuer Sprachtechnologien und automatischer Übersetzung (https://ec.europa.eu/futurium/en/content/european-language-and-language-technology-community-europes-digital-single-market-must-be).

Derzeit hat FIT Europe ein Positionspapier bezüglich TTIP erarbeitet. Dies erfordert weiterhin Abstimmung mit FIT Nordamerika. Auch hier
bemüht sich FIT Europa um eine ausgeglichene und adäquate Lösung im Sinne der Kolleginnen und Kollegen
(http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2013/september/tradoc_151787.pdf).

Weitere Projekte und Vorhaben werden bei der kommenden Jahresmitgliederversammlung erörtert.

Natascha Dalügge-Momme
Präsidentin von FIT Europe