Contract & civil liability, the English legal system, and company law terminology

Bericht über das Seminar von David Hutchins vom 3./4. August 2013

Zugegeben:

Ich wäre gern zur Fortsetzung des Delaney-Seminars aus dem Jahr 2010 nach London geflogen. Leider war das aber aus diversen Gründen nicht machbar und so buchte ich Mitte Juni die für mich ortsnähere und somit auch preisgünstigere Variante: „English law: Contract & civil liability, the English legal system, and company law terminology“. Zehn Tage vor dem Termin kam die übliche Bestätigungs- Mail der Geschäftsstelle. Sie sah harmlos und freundlich aus: „Sie sind als Teilnehmerin des ATICOM-Seminars ‚ENGLISH LAW‘ angemeldet … Der Referent hat uns inzwischen vorbereitendes Material geschickt, mit dem Sie sich …vorbereiten können, um die Zeit dann noch effizienter nutzen zu können …“ Kein Problem, dachte ich, und öffnete flugs die zip-Datei. Ich hätte vorher besser das ebenfalls beigefügte Anschreiben des Referenten David Hutchins lesen sollen, denn das „vorbereitende Material“ entpuppte sich als komplettes Skript (Haupttext, 54 Seiten) nebst Beispielen und ergänzenden Unterlagen (z. B. Gesetzestexte, Formulare, Tabellen und Diagramme, 114 Seiten), verpackt in rund 16 Einzeldateien. Etwas geplättet von dieser Fülle dämmerte mir, dass dies mit Sicherheit ein sehr arbeitsintensives Wochenende werden würde. Und das bei hochsommerlichen Temperaturen von um die 30 °C …

Das Seminar:

Ausgestattet mit einem DIN A4-Ordner (schmal) mit all dem Material und frohen Mutes – hatte ich doch den zur weiteren Vorbereitung empfohlenen 10-Fragen-Katalog „Do You Know?“ auf der Website von David Hutchins brav abgearbeitet – traf ich am Ort des Geschehens ein. Nach dem Kennenlernen ging es dann auch schnurstracks und konzentriert „in medias res“. Der Vormittag war den Themen „Common Law“, „Sources of Law“, „The Legal Profession in England and Wales“ sowie „Civil Liability & Litigation“ gewidmet. David Hutchins erwies sich als ebenso eloquenter wie sachkundiger Referent, der die teils ungewohnten, teils komplexen Rechtskonstrukte und Sachverhalte des englischen Rechts samt historischem Hintergrund anschaulich und detailliert erklären konnte. Dabei machte er einen deutlichen Unterschied zwischen „legal language“ und „legal terminology“. Häufig wies er in diesem Zusammenhang auch auf Unterschiede zum US-Recht bzw. in der US-Terminologie hin, sodass wir nebenbei auch gleich noch etwas amerikanisches Recht vermittelt bekamen. Seine langjährige Berufserfahrung und Karriere als praktizierender Anwalt war deutlich zu erkennen und stellte ein großes Plus dar. Angenehm war auch, dass er dem zuvor zugesandten Skript folgte und der Unterricht infolgedessen sehr strukturiert ablief. Auf diese Weise konnten Zwischen- und Verständnisfragen jederzeit gestellt werden, ohne dass der rote Faden verloren ging. Und das war angesichts der schieren Menge des Stoffs und der Terminologie auch nötig – schon zur ersten Kaffeepause schwirrte mir gehörig der Kopf.

Bis Mittag hatte ich unter anderem gelernt, dass die Äußerung „I’m partheard“ seitens eines Anwalts nichts mit Schwerhörigkeit zu tun hat und ein Richter mit „I’m sitting“ keine Beschreibung seiner Körperhaltung abgibt. (Ersteres bedeutet: „Der Fall ist noch nicht abgeschlossen, das Verfahren wird fortgesetzt“, letzteres: „Ich habe eine Verhandlung oder bin in einer Anhörung“). Von allgemeinem übersetzerischem Interesse war beispielsweise auch die Frage, ob es einen inhaltlichen Unterschied zwischen „lawyer“, „solicitor“ und „attorney“ gibt (es gibt keinen, wohl aber zwischen „solicitor“ und „barrister“) und wie sogenannte „Law Reports“ zu lesen sind. Die Zeit verging wie im Flug und erst zur Mittagspause merkte ich, dass meine Energiereserven dringend aufgefüllt werden mussten. Das war zum Glück kein Problem, denn für das leibliche Wohl war direkt vor Ort gesorgt (siehe „Und sonst …“).

Nach Wiederherstellung der Lebensgeister und mit neuer Energie ging es danach ebenso intensiv und informativ mit den Themen „Contracts & Contract formation“ und „Remedies for Breach of Contract & Civil Liability“ weiter. Hier erwiesen sich die zahlreichen Anlagen als Ergänzung zum Skript, entgegen meiner anfänglichen Skepsis, als wirklich nützlich: die Musterklauseln und -verträge, Formblätter und Vordrucke trugen sehr zum besseren Verständnis bei, zumal das entsprechende Vokabular häufig in Fettdruck hervorgehoben war. Im Rahmen der Kapitels „Remedies & Civil Liability“ ging es unter anderem um Haftungsfragen, die teilweise auch einen direkten Bezug zur Übersetzungsarbeit aufwiesen, zum Beispiel ob statt „clinical negligence“ auch „medical negligence“ verwendet werden kann (nein, kann es nicht; „clinical“ bezieht sich auf den gesamten Verlauf einer Behandlung, „medical“ auf die Behandlung durch einen einzelnen Arzt). Trotz der sommerlichen Hitze verging auch der Nachmittag im Nu, Langeweile hatte keine Chance. Zum Abschluss dieses Tages und auf allgemeinen Wunsch organisierte die Initiatorin des Seminars, Lorraine Riach, dann noch kurzfristig ein abendliches Beisammensein auf der Kö.

Am Sonntag standen „Contract Clauses & Terminology“, „Proceedings in Court“ und „Company Law“ auf dem Plan. Wie schon tags zuvor, tauchten wir intensiv in die Materie und Fachterminologie ein und hatten so manchen Aha-Effekt. Am Nachmittag wurde es dann etwas ruhiger, weil wir hauptsächlich im und mit dem Skript arbeiteten. Zu einem Gutteil dürfte dies aber auch an den hohen Temperaturen gelegen haben, die es uns allen schwer machten, eine permanente Konzentration wie am ersten Tag aufrechtzuerhalten. Dennoch – auch die Inhalte des zweiten Tags waren interessant und wurden kompetent erläutert. Um 17 Uhr ging das Seminar planmäßig zu Ende und die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, 2014 eventuell weitere Seminare mit David Hutchins zum Beispiel zu den Themen englisches Familienrecht, Erbrecht oder Strafrecht ins Auge zu fassen und eine entsprechende Umfrage zu starten.

Die Teilnehmer:

Zu meiner Überraschung stellte sich in der Vorstellungsrunde heraus, dass die Teilnehmer durchweg „alte Hasen“ im Bereich Rechts- und Justizdolmetschen und -übersetzen waren, darunter sogar zwei mit Doppelqualifikation als Juristen. Entgegen meiner Erwartung, vor allem junge KollegInnen würden sich für die angebotenen Themen interessieren, war das Publikum des ausgebuchten Seminars fachlich hochkarätig: 13 der insgesamt 18 Teilnehmer gehörten mindestens einem Berufsverband an (ATA, CBTIP, ATICOM, BDÜ, DIT/DTT) und zwei Teilnehmerinnen waren sogar eigens aus Österreich bzw. Ungarn angereist. Insgesamt war es somit eine sehr „bunte“, doch homogene Gruppe, deren Lebens- und Berufserfahrung zu angeregten und fundierten Diskussionen führte, bei denen auch Spaß und Humor nicht zu kurz kamen.

Und sonst …:

Der Veranstaltungsort (CVJM), in nur rund 150 Metern Entfernung vom Düsseldorfer Hauptbahnhof, lag sowohl für ortskundige als auch auswärtige Teilnehmer sehr verkehrsgünstig, wobei letztere direkt im Hotel oder bei weiteren Anbietern in der Nähe auch gleich Unterkunft finden konnten. In weiser Voraussicht hatte man uns einen Raum an der sonnenabgewandten Seite, zwei Standventilatoren und reichlich Mineralwasser zugeteilt, sodass die tropische Hitze zumindest bis in den frühen Nachmittag hinein einigermaßen erträglich war. Auch der übrige Service während der zwei Tage war unaufdringlich und sehr angenehm.

Ein weiteres großes Plus war, dass man sich in der rund einstündigen Mittagspause nicht erst auf die Suche nach Essbarem machen oder selbiges mitbringen musste. An beiden Tagen wartete im separaten Speiseraum bereits ein dreigängiges Menü mit warmem Hauptgericht, wahlweise mit oder ohne Fleisch, auf uns – ich fand, es war reichlich und gut. Anschließend nutzten wir die Gelegenheit zum Austausch und Networking im schattigen, begrünten Innenhof. In den beiden kleinen Pausen standen Kaffee, Tee, Gebäck und Kuchen bereit, die wir zum Fachsimpeln und Meinungsaustausch mit ins Freie nehmen konnten. Brandaktuelles Thema war dabei natürlich das JVEG und dessen Auswirkungen auf die berufliche Praxis.

Fazit:

Das bewährte ATICOM-Konzept, Seminare als ein- oder zweitägige Wochenendveranstaltungen mit Komplett-Catering durchzuführen, sollte unbedingt beibehalten werden. Auch der Veranstaltungsort war ideal. Auf diese Weise können Freiberufler, Angestellte und nicht zuletzt die Referenten optimal davon profitieren und es bleibt genügend Zeit für Diskussionen und den Erfahrungsaustausch. Vor diesem Hintergrund ist bzw. war auch die Seminargebühr für diese zwei Tage nicht zu hoch angesetzt (Mitglieder 330,00 Euro, Frühbucher 300,00 Euro). Wenn die nächsten Seminare mit David Hutchins kommen, bin ich bestimmt wieder dabei.

Beate Maier

Dieser Artikel erschien im FORUM 2/2013.