„Terminologie und Praxis – Was ÜbersetzerInnen für ihre tägliche Arbeit brauchen“

Bericht vom Anglophonen Tag 2003 in Goslar

Gastgeberorganisation des diesjährigen Anglophonen Tags in Goslar war der Deutsche Terminologie-Tag e.V.

Zum Auftakt gab es am Freitagabend ein gemeinsames Abendessen in geselliger Runde im St. Jakobushaus. Sowohl die Fachwerkstadt Goslar, wo man den Eindruck bekommen kann, dass die Uhren hier etwas langsamer gehen, als auch das altehrwürdige Ambiente des St. Jakobushauses waren hervorragend geeignet, um für ein Wochenende einmal das teilweise doch recht hektische Tagesgeschäft der Übersetzer hinter sich zu lassen.

Am Samstag wurden die Teilnehmer – in diesem Jahr leider nur 20 – zunächst von John D. Graham (1. stellv. Vors. des DTT), der die Veranstaltung organisiert hatte, und Jutta Zeumer (1. Vors. des DTT) sowie von Anja Casties-Bergfeld (1. Vors. des BDÜ LV Bremen und Niedersachsen) begrüßt. Es folgte das Referat von Jutta Zeumer über Terminologiearbeit und die Funktion des DTT verbunden mit einem Aufruf zum terminologischen Networking.

Anschließend sprach Reiner Heard von ATICOM über die Terminologiearbeit in der Praxis am Beispiel der Terminologie der Energieindustrie. Bei dem dargestellten Projekt wird die Terminologie mit MultiTerm verwaltet und die Übersetzer, die Terminologie recherchieren, können anhand einer Zahlenbewertung von 0-5 sehen, wie zuverlässig der jeweilige Terminus anhand von Quellen belegt ist. Es wurden auch Referenzen für internationale Glossare und Terminologieprojekte aus diesem Bereich gegeben, nur leider wurde auch deutlich, dass diese internationalen terminologischen Aktivitäten aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung eingestellt werden mussten.

Der anschließende Vortrag von John D. Graham beschäftigte sich mit dem Thema „Allerlei Terminologie – Wozu soll sie gut sein?“ Es ging darum, dass Verständigung nur dann funktionieren kann, wenn alle an der Kommunikation Beteiligten die verwendete Terminologie verstehen, das heißt, wenn alle Kommunikationskomponenten richtig gedeutet werden. Zu diesen Komponenten gehören auch Fachtermini.

John D. Graham stellte anhand von Beispielen aus der Industrie (Normteile, Zukaufteile, Teile aus eigener Herstellung) dar, wie Benennungssysteme entstehen. Er ging des Weiteren auf die Ansätze der EU ein, Terminologie EU-weit zu regeln und zu vereinheitlichen. So werden neue, von der EU erfundene Termini eingesetzt, um zu vermeiden, dass der EU-Terminus mit dem nationalen Terminus verwechselt wird (z.B. „Vermögensgegenstände“ anstelle von „Aktiva“) – selbst wenn sie inhaltlich absolut identisch sind.

Und als Ausblick in die Zukunft wurde als methodischer Ansatz das EU-Projekt TermImage angeführt, das die moderne Terminologiearbeit als Teil einer konsequenten Terminologiepolitik ein wichtiges Werkzeug für Informationsmanagement in der modernen multimedialen Geschäftswelt darstellt. Durch die Einbeziehung von visualisierten und multimedialen Elementen und die Anbindung an Systeme wie z.B. CAD, steht ein Informationsgebilde zur Verfügung, das schnell, relativ preiswert und sehr genau die notwendigen Auskünfte zur Verfügung stellt. Softwareprogramme für animierte und bewegte Darstellungen erlauben z.B. eine graphische Präsentation der Wirkungsweise eines Gerätes, wobei langwierige und schwer verständliche Erklärungen vermieden werden können.

Noch vor dem Mittagessen stand ein recht kurzweiliges Referat über „Denglisch“ von Dr. Gerd Schrammen vom VDS, dem Verein für die deutsche Sprache, auf dem Programm. Dr. Schrammen kritisierte die allzu bereitwillige Übernahme von Wörtern aus der englischen in die deutsche Sprache und nannte viele Beispiele, zu denen er als Alternative die deutschen Wörter nannte, die naheliegend gewesen wären, sich jedoch nicht hatten durchsetzen können. In diesem Zusammenhang ging es auch um übergreifende Aspekte, wie beispielsweise die Werbung, die sich gerne der englischen Sprache bedient, um Produkte mit einer bestimmten Aura zu umgeben, oder dass Personen englische Wörter verwenden, um ihre Sprache damit vermeintlich aufzuwerten. Herr Graham führte hier das sehr passende Zitat einer deutschen Ministerpräsidentin an, die da sagte, was heute zähle, sei nicht Leistung, sondern Performance.

Es folgte ein weiterer Vortrag von John D. Graham über das Thema „Words around the world. A light-hearted look at modern universal terms.“ Es ging um Termini, die in verschiedenen Sprachen eine universelle Bedeutung haben und um Lehnwörter, sowie um die Entwicklung, die die Termini in den unterschiedlichen Sprachen erfahren. Die Teilnehmer konnten hier natürlich aus ihrer täglichen Praxis auch viel Interessantes beitragen.

Bei der abschließenden Diskussion ging es in erster Linie darum, wie die einzelnen, meist freiberuflichen Kollegen, die Terminologiearbeit in ihre tägliche Routine integrieren. Dabei zeigte sich, dass dieses sehr unterschiedlich gehandhabt wird, d.h. von der einfachen Excel-Tabelle über die „selbstgebastelte“ Datenbank bis hin zum Einsatz von Terminologieverwaltungsprogrammen, wie beispielsweise MultiTerm. Es bleibt das Fazit, dass eine gewissenhafte Terminologiearbeit zwar sehr aufwendig ist – insbesondere unter Termindruck –, jedoch für die Übersetzer eine lohnende Investition in die Zukunft darstellt.

Am Abend trafen sich die Teilnehmer in einem Restaurant in der Goslarer Altstadt und konnten bei schönstem Wetter draußen sitzend vorhandene Kontakte auffrischen und neue knüpfen.

Am Sonntagmorgen gab es zum Abschluss eine Führung durch die historische Goslarer Altstadt, die übrigens zusammen mit dem Besucherbergwerk Rammelsberg zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Petra Berghöfer