Die BP-Konferenzen werden von unserem ungarischen Kollegen Csaba Bán seit 2014 organisiert, beginnend 2014 in seiner Heimatstadt Budapest. Die Idee, die Konferenz jedes Jahr in einer anderen europäischen (Haupt-)Stadt zu organisieren (BP15 in Zagreb, BP16 in Prag), wurde in diesem Jahr unterbrochen und der Kreis hat sich im Mai in Budapest geschlossen. Die diesjährige Konferenz BP17 fand vom 04.05. bis 06.05. statt und es blieb offen, ob es weitere ähnliche Konferenzen in der Zukunft geben wird.

Vorweg ein paar Fakten:

Die Konferenz zählte rund 200 Teilnehmer aus mehr als 33 Ländern. Offizielle Kommunikations- und Vortragssprache ist traditionell Englisch; während der Pausen, beim Frühstück im Hotel oder bei den begleitenden Veranstaltungen hört man einen richtigen Sprachenwirrwarr. Ich selbst habe neben Englisch, Slowakisch und Deutsch auch meine Kenntnisse des Italienischen und Ungarischen etwas entstauben können. Erster Pluspunkt. Interessenten bot sich am Tag vor der eigentlichen Konferenz auch Gelegenheit, die ATA-Prüfung abzulegen oder an einem der vier angebotenen „Masterclass“-Seminare teilzunehmen. Letztere wurden als Sonder-Programm angeboten und behandelten z. B. Strategien zur Gewinnung von Direktkunden oder Grundlagen der Vertragsverhandlung; es gab auch eine MemoQ-Schulung.

Das Programm teilte sich auf zwei Konferenztage auf. Der Freitag, erster Konferenztag, fand außerhalb vom Konferenzhotel in dem wunderschönen Kinotheater Urania statt, dessen Inneres eine einzigartige Kombination aus östlich-maurischem und venezianischem Gotikstil darstellt – ein echter Augenschmaus in Gold und Rot. Alle Teilnehmer saßen zusammen in einem Saal, die Bühne gehörte nacheinander insgesamt dreizehn Sprechern für kurze 20-minütige Vorträge.

Der zweite Tag, der Samstag, fand komplett (bis auf das Abschlussessen am Abend) in dem Konferenzhotel statt. Das Programm an diesem Tag war eher traditionell konzipiert, mit drei parallel laufenden Präsentationen und 16 Referenten für 17 Präsentationen. Und wie es oft im Leben ist, die für einen interessanten Sachen laufen meistens gleichzeitig, sodass man sich für eine davon entscheiden muss.

Es ist schon eine besondere Veranstaltung. Ich war bis auf die BP16 jedes Mal dabei, und jede der Konferenzen hat mich in bestimmter Weise inspiriert und bereichert. Bis ins Detail perfekt durchdachte Organisation, erstklassige Sprecher, einmalige Atmosphäre, einzigartige Stimmung – das alles macht aus diesen Konferenzen eine definitiv „besuchenswerte“ Veranstaltung, die noch lange nachwirkt. Diesmal fand ich das neue Format der Kurzbeiträge am Freitag sehr erfrischend. Dadurch, dass wir alle den ganzen Tag zusammen verbracht haben, boten sich unzählige Möglichkeiten zum Austausch, zu Diskussionen oder einfach nur zur Unterhaltung. Um lediglich ein paar Beispiele zu nennen: Es sprach sich der FIT-Vorsitzende Henry Liu in seinem Beitrag für mehr soziale Kompetenzen aus (There Won’t Be Any Translators in 2025. Really?) und Michael Farell klärte das Publikum etwas provokativ über Lebensläufe der Übersetzer und Dolmetscher auf (Translators Need CVs Like Fish Need Bicycles). Jeden Beitrag und jeden Sprecher zu nennen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, das komplette Programm ist hier zu finden.

Am Samstag fand ich persönlich den Beitrag von Dr. Pablo Mugüerza sehr interessant, da er sich gründlich mit einigen wenigen medizinischen Begriffen auseinander gesetzt hat (Medical Terminology for Translators). Interessant war auch der Beitrag von Ellen Singer (Ethics and Integrity), sowohl inhaltlich als auch formell – die Ausstrahlung der Sprecherin kann man eigentlich nicht richtig in Worte fassen, sie muss man erleben.

… und was die Abkürzung BP eigentlich bedeutet? Für jeden ist etwas dabei, alle passen irgendwie … BP = Budapest, BP = Business + Practice, BP = Boosting Productivity, BP = Badass Polyglots …

Die Voranmeldung für die Konferenz BP18 ist schon raus, sie findet vom 19.-20. April 2018 in Wien statt.

Ivona Stelzig

Dieser Bericht erschien im FORUM 2/2017.