Ausbildung, Qualifikation, Technik, Arbeitsbedingungen: viele offene Fragen

Geht es nach den Anbietern von Videodolmetschdiensten, ist Videodolmetschen (oder Englisch „Remote Interpreting“), also typischerweise die Zuschaltung von Dolmetscherinnen, ein boomender Zukunftsmarkt. Die Frage sei nicht, ob Videodolmetschen kommt, sondern warum wir es immer noch nicht überall einsetzen. Verwendet wird es bereits in Kliniken, im Community Interpreting und in Justizvollzugsanstalten, getestet wird es für virtuelle Videokonferenzräume und Plattformen für zahlungskräftige Wirtschaftskunden, angekündigt wird es für den gesamten Justizbereich.

Dabei sind die meisten Fragen, die mit dieser Art des Dolmetschens zusammenhängen, noch absolut offen: Wer darf sich Videodolmetscherin nennen? Wer überprüft ihre Qualifikation? Vor allem, wenn sie aus dem Ausland zugeschaltet werden: Wie müssen die technischen Voraussetzungen tatsächlich ausgestattet sein? Ist das Angebot qualifizierter Kräfte für seltene, wenn nicht für alle Sprachen, vierundzwanzig Stunden am Tag innerhalb einer Frist von tagsüber zwei und nachts fünfzehn Minuten überhaupt seriös? Kann Daten- und Übermittlungssicherheit gewährleistet werden? Mit welchen besonderen und zusätzlichen Belastungen ist das Videodolmetschen für die Dolmetscherinnen verbunden? Wie sind diese zu bezahlen? Vorurteile und Versprechungen geben sich die Klinke in die Hand.

Mit mehreren Vorträgen aus Lehre und Praxis und in einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion wird das 13. International Legal Forum 2018 „Übersetzen und Dolmetschen im juristischen Bereich in der sich wandelnden Welt: Technologie – Outsourcing – Veränderungen“ vom 6. bis 8. September 2018 in Bonn diesen Fragen nachgehen. Weitere Informationen und Anmeldung zum #FITILF2018

Evangelos Doumanidis

Dieser Artikel erschien im FORUM 1/2018. Siehe auch Distance Interpreting von Prof. Sabine Braun von der University of Surrey.